Herr Lange, was produziert Ihr Unternehmen und welche Tätigkeit üben Sie aus?

Die Firma RASCH produziert Tapeten. Ich habe hier 1991 meine Ausbildung als Tapetendrucker begonnen, war ein paar Jahre Farbmischer und bin nun schon eine ganze Weile freigestellter Betriebsratsvorsitzender und für die Arbeitssicherheit zuständig.

Seit wann sind Sie für die Arbeitssicherheit zuständig?

Seit dem Jahr 2000. Die Arbeit im Betriebsrat – dem ich seit 1998 angehöre und seit 2000 vorsitze – und die Zuständigkeit für Arbeitssicherheit haben wir bei uns vereinheitlicht.

Wie kamen Sie zu diesen Ämtern?

Im Jahr 1998 gab es bei uns im Unternehmen einen Umbruch. Ich habe mich damals zur Betriebsratswahl aufstellen lassen und wurde gewählt. Dass die Betriebsräte gleichzeitig für die Arbeitssicherheit zuständig sind, ergab einfach Sinn, weil wir in unserer Funktion nah dran sind an den Bedürfnissen der Mitarbeiter und auch die Gefährdungen kennen.

Welchen besonderen Gefährdungen sind die Mitarbeiter an den Arbeitsplätzen ausgesetzt?

An der Fertigungslinie kommt es bei der Tapetenproduktion zu unterschiedlichen Gefährdungen. An den Druckmaschinen müssen die Mitarbeiter vor Lösungsmitteln oder Plastisolen geschützt werden, das sind Kunststoffpasten zur Beschichtung der Tapeten. An den Schneidemaschinen muss auf den Schnittschutz geachtet werden. Bei der Verpackung fällt am ehesten etwas herunter, etwa scharfkantiges Werkzeug oder die Packstücke selbst. Aufgerollte Tapetenbahnen kommen zudem auf ein immenses Gewicht.

Welche PSA tragen die Beschäftigten in Ihrem Betrieb?

Nehmen wir Fußschutz: Da muss das Obermaterial aufgrund der potenziellen Belastung mit Lösemitteln oder Plastisolen vernünftig verarbeitet sein, sodass sich nicht gleich die Nähte lösen oder gefährdende Stoffe bis auf die Socken durchdringen. Wenn ein Hubwagen bei Unachtsamkeit gegen die Ferse stößt, muss dieser Schuhbereich widerstandsfähig sein, sonst wird es schmerzhaft. Oder es ist auch schon ein Stapler über den Fuß eines Mitarbeiters gefahren. Ohne adäquaten Fußschutz hätte er dabei schlimme Schäden davongetragen. Auch beim Herabfallen schwerer Gegenstände helfen Zehenschutzkappen dabei, die größten Verletzungen zu vermeiden – wenn sie denn fußgerecht geformt sind, die Schuhe daher ausreichend bequem sind und gern getragen werden. Das ist bei knienden Tätigkeiten ebenfalls wichtig. Im Winter sollen die Schuhe neben ihrer Schutzfunktion zudem warm genug sein, im Sommer atmungsaktiv, damit die Füße nicht zu sehr schwitzen.

Welche Maßnahmen haben Sie bis jetzt für mehr Arbeitssicherheit umgesetzt?

Für alle Bereiche und die individuellen Anforderungen der Mitarbeiter haben wir mittlerweile unterschiedlichen Fußschutz: eine Sandale, einen leichten und textilen Sportschuh, Modelle komplett aus Leder speziell für die „Lösungsmittelbereiche“ oder besonders atmungsaktive Sicherheitsschuhe.

Was ist Ihnen bei Ihrer Aufgabe besonders wichtig?

Mir ist besonders wichtig, dass die Kollegen geschützt sind, sich dabei aber auch wohlfühlen. Wir setzen den Mitarbeitern – wir haben hier 470 am Standort – also nicht einfach PSA vor, mit der sie dann vorliebnehmen müssen, sondern wir achten stark auf deren Rückmeldungen, damit PSA bei der Arbeit als komfortabel wahrgenommen wird. Deshalb ist mir auch wichtig, dass PSA-Hersteller unsere Anregungen ernst nehmen.

Noch eine persönliche Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich fahre gern Motorrad, bin damit viel unterwegs. Und ich gebe zu, dass ich im vergangenen heißen Sommer mal in leichterer Bekleidung gefahren bin. Aber nur für eine Kurzstrecke im Ort. Ansonsten schreibe ich auch hier das Thema Sicherheit groß, trage entsprechende Schutzkleidung und unternehme eher gemütliche Ausfahrten mit meinen Freunden. Ich bin auch viel für ver.di im Einsatz, bereite Tarifverhandlungen mit vor und bin bei diesen auch dabei.


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