Frau Anton-Katzenbach, auf der im Oktober stattfindenden Messe A+A werden die Hersteller wieder neue PSA-Kollektionen vorstellen. Welche Trends können wir erwarten?

Komfortgewinn ist bei PSA ein Dauerbrenner. In die Kollektionsgestaltung fließen daher Themen wie ein besserer Klimakomfort durch ein gutes Feuchtigkeitsmanagement und Gewichtsreduktion sowie größere Bewegungsfreiheit durch Stretchmaterialien und ergonomische Schnitte ein. Außerdem wird smarte Schutzkleidung, also PSA mit integrierter Elektronik, vermehrt auf der A+A zu sehen sein. Auf Herstellerseite werden außerdem „Fair“-tigung und transparente Lieferketten thematisiert werden, um dem auf allen Seiten gestiegenen Bewusstsein für Gesellschaftsverantwortung gerecht zu werden. Den hoch funktionellen, in jeder Hinsicht sicheren Schutzkleidungskollektionen stehen auf der anderen Seite preisgetrieben Sortimente gegenüber. Diese vereinen inzwischen mehrere Schutzeigenschaften. Allerdings bleiben sie häufig den gültigen Nachweis ihrer Wirkung schuldig. Auch dieser Trend wird sich auf der A+A fortsetzen.

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach, www.textilberatung.com Foto: Privat
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach, www.textilberatung.com Foto: Privat

PSA muss natürlich möglichst sicher sein. Gleichzeitig sollte sie aber auch möglichst bequem sein, damit sie gerne getragen wird. Können die Nutzer hier große Verbesserungen erwarten, etwa durch neue Fasermischungen, die eine bessere Klimafunktion ermöglichen oder eine bessere Beweglichkeit?

Die Textilindustrie entwickelt ihr Angebotsportfolio ständig weiter. Nicht ohne Grund hat Deutschland auf dem Sektor der technischen Textilien eine Spitzenstellung. Daher ist auch auf der kommenden A+A über alle Fachbereiche mit Innovationen zu rechnen. Diese reichen von der Faser bis zur Verarbeitungstechnologie.

Wie schaut es mit dem Gewicht aus? Wer den kompletten Arbeitstag mit PSA verbringen muss, schleppt einiges an Zusatzgewicht mit sich herum. Wird die PSA leichter bei gleichbleibendem Schutzniveau?

Das Schutzniveau bestimmt  – ungeachtet des Komfortbedürfnisses – nach wie vor über das Gewicht einer Schutzkleidung. Um den in der ISO 11611 geforderten Wärmedurchgang für Schweißerschutzkleidung der Klasse 2 einhalten zu können, muss das Textil die Energie aufnehmen. Dazu braucht es unter anderem eine gewisse Dicke, die das Gewicht bestimmt. Dessen ungeachtet gibt es aber Anwendungen, in denen sich eine Gewichtsreduktion bei gleichem Schutzniveau durchsetzt – etwa im Warnschutz. In jüngerer Vergangenheit zeichnet sich ein grundsätzlicher Ansatz zur Verringerung der PSA-Gewichts ab. So präsentieren verschiedene Anbieter eine nach dem Zwiebelprinzip aufgebaute Schutzkleidung. Die einzelnen Bekleidungslagen haben Schutzklasse 1. Werden sie aber übereinander getragen, erreichen sie Klasse 2. Obwohl das System eine höhere Akzeptanz beim Anwender haben dürfte, ist bisher eine Zertifizierung jedoch nicht vorgesehen.

Das Thema Smart-Textiles oder intelligente PSA ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Welche Neuerungen werden die Hersteller vorstellen?

Mit bahnbrechenden Neuerungen auf dem Gebiet der smarten PSA ist noch nicht zu rechnen. Bereits vor Jahren wurde auf der A+A der Prototyp einer mit Sensoren bestückten Feuerwehrkleidung gezeigt. Sie überprüfte die Vitalfunktionen und den Standort des Feuerwehrmanns, um den Einsatz für ihn sicherer zu machen. Leucht- und Wärmefunktion waren vor zwei Jahren bei verschiedenen Herstellern zu sehen. Diese Technologien wurden weiterentwickelt, weshalb die Anzahl entsprechender smarter Produkte auf der diesjährigen A+A deutlich höher sein wird.

Sind auch Verbesserungen beim Schutzniveau der PSA zu erwarten?

Das Schutzniveau wird durch die Normen vorgegeben. Sie definieren die Leistungsklassen. Eine Steigerung über die höchste Klasse ist daher nicht vorgesehen. Bei Schutzkleidung gegen die thermischen Gefahren eines Lichtbogens ist jedoch zu beobachten, dass verschiedene Anbieter inzwischen auch den Lichtbogenkennwert gemäß IEC 61482-1-1 angeben.

Vielen Dank für das Interview.

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach, www.textilberatung.com


Download: Vortragsfolien „Trends in der Persönlichen Schutzkleidung“ von Sabine Anton-Katzenbach, Textilberatung Hamburg anlässlich des 2. Fachgesprächs PSA des Wirtschaftsverband Textil Service – WIRTEX

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