Heute ist ein guter Tag für Hasenherzen im Movie Park. Im nahezu freien Fall aus 60 Metern Höhe mit „The High Fall“ Fehlanzeige. Das Fahrgeschäft bleibt durchgängig am Boden. Loopings bei 80 Stundenkilometern im „MP Xpress“? Die Schienen der Achterbahn sind verwaist. An diesem Tag im Januar ist der Freizeitpark bei Bottrop geschlossen. Winterpause.

Stillstand herrscht aber nicht. Wo sich sonst Besucher vergnügen, kommen nun die Handwerker zum Zuge: Die Sitze im Zuschauerraum der Stuntshows riechen nach frischer Farbe. Die Jet-Ski-Boote werden an Land auf Herz und Nieren geprüft. An der Holzachterbahn „The Bandit“ klaffen Lücken im Gebälk.

Monteure zerlegen ganze Abschnitte der Bahn in ihre Einzelteile: Gleise, Stützbalken, Schrauben. Etwa 120 Meter der hölzernen Strecke werden komplett ausgetauscht. „Jedes Jahr im Winter ein anderes Teilstück“, sagt Thorsten Brauer. Insgesamt legen die Wagen bei ihrer Fahrt rund einen Kilometer zurück. Noch zehn Jahre, dann ist jede Holzstrebe der Bahn ausgetauscht – und die Prozedur beginnt von vorne.

Achterbahn-Probefahrt mit Crash Test Dummys

Brauer ist der Mann für die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern im Movie Park. Er ist Maschinenbauingenieur und bringt eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit mit. Im Movie Park ist er der Safety Manager – sprachlich passend zu Fahrgeschäften und Shows, die oftmals Themen von amerikanischen Filmen aufgreifen. Seine Kollegen am Zugang der Wasserbahn heißen dementsprechend Operator und die Darsteller, die in den Turtle-Kostümen tanzen, nennen sich Character.

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Ohne Absturzsicherung darf niemand die verwaisten Gleise der Achterbahn betreten. Foto: Andreas Arnold/Universum Verlag

 

Brauer erklärt dann auch gleich, was es mit den ersten Probefahrten nach Störungen der Achterbahn auf sich hat. Die Mitarbeiter, die sich in die Wagen schwingen, bevor der eigentliche Betrieb weitergeht, sind keineswegs lebende Crashtest-Dummys. Bei diesen Fahrten geht es nur um Kosmetik. Funktionieren die Soundeffekte? Arbeitet die Nebelmaschine? Liegt irgendwo Müll? Meint: Ist alles schön?

Natürlich gibt es auch Probefahrten, bei denen es um die Sicherheit der Passagiere geht. Beschleunigung, Bremsverhalten, Kurvenlage. Alles muss auf den Prüfstand. Dann sitzen aber nicht Menschen in den Waggons. Ihre Plätze nehmen Kanister ein, je nach gewünschtem Gewicht nur mäßig oder randvoll mit Wasser gefüllt. Während des laufenden Betriebs wird ständig weiter gemessen, ob alle Werte stimmen. Dauert eine Fahrt einmal 92 statt der vorgegebenen 90 Sekunden, wird das Vergnügen unterbrochen, bis die Ursache feststeht.

Smartphone-Verbot in der Achterbahn

Das ist wichtig für die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern. Wie eng beides miteinander verknüpft ist, erläutert Brauer an einem Beispiel: Handys dürfen nicht mit in die Fahrgeschäfte. Ein Film der rasanten Fahrt für Social Media – das geht gar nicht. Macht sich ein Smartphone etwa beim   Überschlag im Top Spin selbstständig, kann es zum gefährlichen Geschoss beschleunigen. Trifft es dann einen Mitarbeiter oder Gast – „eine Katastrophe“, sagt der Safety Manager. Doch das leuchtet nicht allen Besuchern ein. Zwei Frauen wollten der Vorgabe des Mitarbeiters nicht folgen – und wurden handgreiflich.

„Ein extremer Zwischenfall, aber zum Glück einmalig“, erklärt er. Denn: Die Park-Mitarbeiter sind für kritische Situationen geschult. Auch für den Umgang mit Gästen, die Vergnügen mit regellosem Verhalten verwechseln. In solchen Momenten geht es um Sicherheit durch Deeskalation. „Das Team arbeitet ganz eng zusammen, niemand ist allein“, sagt der Safety Manager. Auffällige Gäste werden zur Seite genommen. „Wir sprechen ruhig und bestimmt mit ihnen, damit sie runterkommen.“ Ein mehrstufiges System läuft an: Kollegen kommen sofort dazu, dann spezielle Security-Mitarbeiter und gegebenenfalls auch die Polizei.

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Schließen die Sicherheitsbügel richtig? Foto: Andreas Arnold/Universum Verlag

 

„Lose Gegenstände in Fahrgeschäften sind für mich die größte Gefahr für Besucher und Mitarbeiter“, betont Brauer noch einmal. Es muss kein Handy sein. Schon ein davonfliegender Schal kann eine Kettenreaktion auslösen. Landet er in den Gleisen, stoppen die Wagen. Egal wo – auch wenn die Fahrgäste kopfüber im Looping hängen. Dann greifen die Evakuierungsszenarien des Parks.

Winterpause ist Zeit der Übungen

Die Winterpause ist die Zeit der Übungen. Einige „alte Hasen“ unter den Mitarbeitern mimen Besucher mit Höhenangst in den gestoppten Fahrgeschäften. Der Rest des Teams muss evakuieren. Brauer zeigt auf eine weiße Treppe, parallel zu den Gleisen der Achterbahn. Über die Stufen entlang des Geländers gelangen die Passagiere sicher zu Boden, natürlich geleitet von Park-Mitarbeitern. An anderen Abschnitten der Bahn erreichen die Evakuierungsteams die Fahrgäste nur über Plattformen und Hubwagen.

Auch bei der Evakuierung müssen Risiken für Gäste und Mitarbeiter zusammengedacht werden. Professionelles Retten bedeutet, die eigene Sicherheit immer im Blick zu behalten. Je nach Gefährdungsbeurteilung tragen die Park-Mitarbeiter deshalb eine Absturzsicherung und legen die Klettergeschirre auch den Gästen an.

Um die Arbeitssicherheit im Park immer weiter zu verbessern, informiert Brauer sich ständig über Zwischenfälle in anderen Freizeiteinrichtungen. „Wir lernen aus den Unfällen anderer.“ Dabei lauten die Fragen immer: Ist so etwas auch hier vorstellbar? Muss im Movie Park etwas geändert werden? Sind alle gut vorbereitet?

Zur Vorbereitung gehört der Austausch mit allen Akteuren im Park. Eine große Aufgabe: Rund 1.000 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das von Geschäftsführer Thorsten Backhaus geleitet wird: „Unsere Mitarbeiter arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen – ein Freizeitpark ist viel mehr als seine Fahrgeschäfte. Neben Gastronomie, Verkaufsständen oder den Werkstätten gehört beispielsweise eine eigene Wäscherei dazu“, erklärt der Movie-Park-Chef. Deshalb sind zahlreiche Berufe hier vertreten. „Schlosser, Schreiner, Gärtner, Köche, Verkäufer, Maler …“, beginnt Safety Manager Brauer eine Aufzählung, die noch lange nicht zu Ende ist. In Sachen Arbeitssicherheit wird er deshalb von einem Betriebsarzt und einer externen Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt.

Vielfältige Gefährdungen lauern im Freizeitpark

Entsprechend vielfältig sind auch die Gefährdungen, Sicherheitsvorgaben und Persönliche Schutzausrüstungen. Die meisten Arbeitsunfälle sind – die exotischen Fahrgeschäfte vor Augen – fast langweilig unspektakulär. „Schnittverletzungen in der Küche, ein umgeknickter Fuß am Zugang zur Achterbahn, eine Prellung bei einem Zombie“, berichtet Brauer. Bei einem Zombie?

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Werkstattcheck an einem Wagen der Achterbahn Foto: Andreas Arnold/Universum Verlag

 

Also direkt zu „The Walking Dead Breakout“, wo es Zombies – oder zumindest Zombie-Darsteller – gibt. Hinter dem Namen verbirgt sich so etwas wie eine Geisterbahn für Fußgänger. Den Handlungsrahmen liefert eine Fernsehserie über eine kleinen Gruppe Überlebender nach einer weltweiten Zombie-Apokalypse. Im Movie Park mimen die Besucher die Überlebenden und wandeln durch ein düsteres Labyrinth.

Heute hat Brauer das Licht angeknipst und dank der Winterpause: kein Zombie weit und breit. „Wir arbeiten hier auch mit Duft und Geräuschen“, beschreibt er, während er auf verschlungenen Wegen durch eine Sattelkammer und vorbei an Gefängniszellen führt. Dann weist er auf eines der großen Metallfässer hin, auf das an anderen Tagen die Darsteller ordentlich Lärm schlagen. „Da hat sich ein Zombie einmal die Hand geprellt.“

Überhaupt stellt sich bei Licht betrachtet das Ganze schnell so dar: Gefährdet sind nicht die gruselwilligen Gäste, die hier auf eigenen Wunsch zünftig erschreckt und durch die Gänge gejagt werden. Schutz brauchen die Zombies vor unberechenbaren Reaktionen der Besucher. Schimpfen, Schlagen und Treten nach den Charactern – das alles kommt vor.

Kein Zombie weit und breit

Dabei gilt ganz unzombiehaft: Wehren dürfen sich die Untoten nicht. Nicht mal berühren dürfen sie die Gäste. „Sie müssen sich sofort zurückziehen“, sagt Brauer. Ihr Vorteil: Sie sind viele, halten zusammen und kennen die Notausgänge, durch die sie blitzschnell verschwinden, wenn es eng wird. Sie sind, wie eigentlich alle im Park, Meister der Deeskalation. Zudem wird das Geschehen in den Gängen ständig über Monitore überwacht. „Mal ein blauer Fleck“, beruhigt der Safety Manager, mehr drohe den Zombies hier nicht. Ein anderer Ort, andere Character-Darsteller: Die Ninja Turtles sind bei jüngeren Besuchern beliebte, in japanischem Kampfsport geschulte Schildkrötenwesen. Die Kostüme sind schwer, das Sichtfeld stark eingeschränkt. Dennoch tanzen sie in den Paraden. Der Arbeitsmediziner des Parks hat deshalb ein besonderes Augenmerk auf sie. Maximal 15 Minuten darf ein Auftritt dauern, dann heißt es: Pause und Trinken. Jeder Character hat einen Begleiter, der ihn lotst und vor Stürzen bewahrt.

Arbeitsschutz im Moviepark Infografik
Arbeitsschutz im Moviepark Infografik Grafik: Liebchen + Liebchen/Universum Verlag

 

„Trotzdem sind die Turtles-Character einer der beliebtesten Jobs im Park“, sagt Thorsten Brauer. „Wegen der Interaktion mit den Gästen.“ Aber auch, weil Brauer und sein Team für gute Bedingungen sorgen und in die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter investieren.

 

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