Kartons, überall Kartons. Die braunen Kisten stapeln sich bis fast unter die Decke. Darin befinden sich: Kartons. Genauer die gelben Packsets der Post, die man auf ein praktisches Format zusammengefaltet in jeder Postfiliale kaufen und in einen stabilen Versandkarton verwandeln kann.

In der Firma Naatz im hessischen Idstein werden die Wellpapp-Rohlinge dieser Schachteln auf ebendieses Format gefaltet, verklebt und zu Zehner- oder 50er-Gebinden verpackt. Die Faltschachtelklebemaschine vom Typ „Diana“ ist ein ausgeklügeltes System: An einem Ende wird sie mit den flachen Rohlingen „gefüttert“. Nach 25 Metern – auf denen die Rohlinge über Rollen und Schienen geführt, hier in die eine, dort in die andere Richtung geknickt, gefaltet und an bestimmten Stellen verklebt werden –spuckt die Maschine sie halb so groß, mit dem nötigen Zubehör versehen und handlich verpackt wieder aus.

Das Lager voll mit Pappkisten

Lagerleiter Michele Bonsignore bringt neue Stanzzuschnitte zur Maschine und transportiert anschließend die fertige Gebinde ab. Foto: Dominik Buschardt
Lagerleiter Michele Bonsignore bringt neue Stanzzuschnitte zur Maschine und transportiert anschließend die fertige Gebinde ab. Foto: Dominik Buschardt

Etwa 50.000 Stanzzuschnitte werden an einem Arbeitstag geklebt und gefaltet. Das sind mehr als 1.000 befüllte Kartons, von denen ein großer Teil die Halle der Firma Naatz am frühen Nachmittag wieder verlässt, um in einem anderen Lager etikettiert und an die Postfilialen ausgeliefert zu werden. „Im Moment ist es gar nicht so voll hier – im Herbst, wenn für Weihnachten die Packsets produziert werden müssen, dann geraten wir langsam an die Grenzen“, schmunzelt Thomas Naatz, der Geschäftsführer. Fast scheint er es zu bedauern, dass es heute ruhig ist und seine Mitarbeiter in gelassener Routine ihren Job machen. Für die Reporterin hätte er gern etwas Spektakuläreres präsentiert. Dabei ist der Weg der Stanzzuschnitte durch die Faltschachtelklebemaschine für technische Laien schon spektakulär genug.

Drei bis vier Mitarbeiter sind damit beschäftigt, die Maschine zu bedienen. Der Maschinenführer Michael Klein, ein ausgebildeter Verpackungsmittelmechaniker, hat dabei die Verantwortung. Er weist auch neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter ein, gibt die Anweisungen und muss im Falle eines Falles eine wirksame Erste Hilfe sicherstellen, denn ihm wurden von der Geschäftsführung diese Unternehmerpflichten übertragen. Passiert ist zum Glück noch nie etwas – die Teile der  Faltschachtelklebemaschine, die ein Risiko für die Bediener darstellen könnten, sind abgeschirmt und ein cleverer Mensch hat mehrere Spiegel so angebracht, dass man Teile der Maschine begutachten kann, ohne sich weit über das Band lehnen zu müssen.

Schutzhandschuhe gegen Schnittverletzungen

Gegen mögliche Schnittverletzungen durch Pappe und Papier tragen die Leute Schutzhandschuhe, außerdem ist im gesamten Betrieb das Tragen von Sicherheitsschuhen Pflicht. Michael Klein mag die Abwechslung in seinem Beruf und er ist mit der „Diana“ quasi per Du. Zurzeit werden Kartonagen für die Post gefaltet, verklebt und verpackt – demnächst kann es etwas völlig anderes sein, zum Beispiel Umverpackungen für Lebensmittel. Die Maschine für diese Zwecke neu einzurichten ist dann der Job des Maschinenführers.

„Das macht es aber gleichzeitig schwer zu planen – ein Schraubenlager hat es da leichter. Da weiß man, was morgen oder in zwei Jahren ist. Schrauben sind und bleiben Schrauben“, meint Thomas Naatz und fügt hinzu: „Aber wir sind ja flexibel.“ Entsprechend können sich jedoch in seiner Firma je nach Auftrag neue Gefährdungen ergeben. Im Moment werden im Betrieb sehr viele Waren aus Papier und Pappe gelagert und verarbeitet, weshalb die neue Gefährdungsbeurteilung auch einen Handlungsbedarf beim Brandschutz ergeben hat.  „Wir müssen die Anzahl der Feuerlöscher erhöhen, sodass alle 20 Meter einer greifbar ist.“

Arbeitssicherheit in der Logistik
Die Wege für den Gabelstapler und die Fußgänger sind auf dem Boden markiert, dort, wo sie sich kreuzen, gibt ein Zebrastreifen den Fußgängern den Vortritt. Foto: Dominik Buschardt

 

Unterstützen lässt sich Naatz bei der Planung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes seiner rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch einen professionellen Dienstleister. Auch die jährlichen Unterweisungen zu Heben und Tragen, Sicherheitskennzeichnung am Arbeitsplatz, Erste Hilfe, Brandschutz und – für die Beschäftigten in der Verwaltung – zu Bildschirmarbeit überlässt er einem Profi. „Ich wollte mich da anfangs selbst einarbeiten, habe aber schnell gemerkt, dass ich auch zeitlich an meine Grenzen stoße. Deshalb machen das jetzt externe Kräfte. Das hat sich bewährt.“

Betriebliche Verkehrssicherheit

Jetzt werden zwei schwere Paletten mit Kunststofffolie angeliefert. Der Lagerleiter Michele Bonsignore, der eben noch mit dem Handhubwagen Kartons in den vorderen Teil der Halle gebracht hat, damit sie später abgeholt werden können, macht sich mit dem Gabelstapler ans Abladen. Die Wege für den Gabelstapler und die Fußgänger sind auf dem Boden markiert, dort, wo sie sich kreuzen, gibt ein Zebrastreifen den Fußgängern den Vortritt. Piepsend fährt der Stapler rückwärts, Bonsignore setzt die Paletten mit den Folienrollen routiniert ab und lädt einige leere Paletten auf, um sie vor der Halle auf den Stapel neben der Laderampe zu heben. Mehr als 15 Paletten dürfen nicht aufeinandergesetzt werden, damit der Stapel stabil bleibt.

Das Gelände hat eine Hanglage – eigentlich unproblematisch, aber vor einigen Jahren hatte ein Anlieferer seinen Anhänger nicht ausreichend gegen Wegrollen gesichert, sodass der sich selbstständig gemacht hat. Außer einem Totalschaden am Zaun gab es keine Schäden oder gar Verletzten.

Ahmed Houri "füttert" die Maschine mit Stanzzuschnitten Foto: Dominik Buschardt
Ahmed Houri „füttert“ die Maschine mit Stanzzuschnitten Foto: Dominik Buschardt

 

Um dennoch Unfälle an der Laderampe zu vermeiden, werden die Beschäftigten regelmäßig geschult. Naatz: „Ich habe meinen Mitarbeitern eingeschärft, bei den Lkw, die zum Ent- und Beladen kommen, darauf zu achten, dass gerade die Anhänger gesichert sind. Und ich schaue auch ganz automatisch, wenn ich vorbeikomme und hier steht ein Laster, das ist fast ein Reflex.“ Die Lieferpapiere sind unterschrieben, der Lastwagen fährt ab, es warten schon wieder Dutzende neue große Kartons auf den Lagerleiter, um für die Abholung um 14 Uhr in Position gebracht zu werden.

20 Jahre unfallfrei

In der Kommissionierungshalle ein Stockwerk darüber ist es deutlich leiser. Die Regale sind niedriger, darin liegen vor allem Zeitschriften, Flyer, Bücher. Hier stellen die Beschäftigten für die Kunden nach deren Wünschen die Produkte, die sie hier lagern, zusammen und machen sie für den Versand fertig. „Ob das jetzt Bestellungen für den Endabnehmer sind, die wir bearbeiten, oder große Mengen an Zeitschriften an bestimmte Verteiler packen, etikettieren und einem Zustelldienst übergeben – vieles ist dabei reine Handarbeit“, erklärt Thomas Naatz. Hier fährt kein Gabelstapler, die Ware kommt, sofern sie zu schwer ist, mit dem Handhubwagen an die Verpacktische. Deshalb tragen auch hier die Mitarbeiter Sicherheitsschuhe. Gab es hier schon einmal Unfälle? Naatz überlegt. „Nicht seit ich im Betrieb bin. Das sind jetzt 20 Jahre.“ Die Verbandkästen, die vorschriftsmäßig gut zugänglich an der Wand hängen, scheinen zu bestätigen, dass nicht einmal Pflaster gebraucht werden: Sie wurden nach Weihnachten erneuert und sind noch original verpackt.

Schreiben Sie einen Kommentar