Herr Witzigmann, was sind die Aufgaben der Abfallwirtschaft und welche Tätigkeit üben Sie aus?

Zu unserem Metier zählen Abfallentsorgung, Wertstoff-Recycling und Straßenreinigung. In der kalten Jahreszeit kommt noch der Winterdienst auf Stuttgarts Straßen hinzu. Mein persönliches Aufgabengebiet als Ingenieur für Verfahrenstechnik ist die Bauplanung. Außerdem bin ich Sprecher der Sicherheitsbeauftragten. Diese sind bei allen 13 Betriebsstellen der Abfallwirtschaft im gesamten Stadtgebiet tätig.

Welche besonderen Gefährdungen gibt es im Betrieb?

Müllwerker bewegen sich im laufenden Straßenverkehr. Dazu kommt: Stuttgart ist vergleichsweise bergiges Terrain. Das Schieben und Ziehen voll beladener Mülltonnen auf abschüssigen Straßen belastet den Rücken. Eine weitere Gefährdung ist das regelmäßige Herunterspringen aus dem Müllfahrzeug. Das macht auf Dauer die Knochen mürbe. Deswegen wurden vor einiger Zeit Niederflurfahrzeuge mit tiefem Führerhaus angeschafft. Ein weiteres Problem – übrigens in vielen Bereichen der Verwaltung mit Publikumsverkehr – sind zunehmende verbale und körperliche Übergriffe durch Bürgerinnen und Bürger. Davon berichten auch unsere Müllwerker, wenn sie auf der Straße unterwegs sind.

Wenn Sie als Sicherheitsbeauftragter in eine Werkstatt gehen, was ist Ihnen wichtig?

Ich würde auf die allgemeine Sauberkeit und Sicherheit achten. Sind die Rettungswege frei gehalten? Stehen Getränke und Lebensmittel in der Nähe von Gefahrstoffen herum? Gibt es Stolperfallen auf dem Boden? Tragen die Kolleginnen und Kollegen die vorgeschriebene Persönliche  Schutzausrüstung? Falls es um bauliche Maßnahmen geht: Sind Ersatzrettungswege eingerichtet worden?

Sie sind seit 25 Jahren Sicherheitsbeauftragter. Was ist die größte Herausforderung in diesem Amt?

Das ständige und nachhaltige Einhalten der Vorschriften zur Arbeitssicherheit. Man sollte ständig mit offenen Augen durch den Betrieb gehen und Problemstellen möglichst sofort melden, um Abhilfe zu schaffen. Manchmal sind auch unangekündigte Besuche gut, um ein realistisches Bild vom   Arbeitsalltag zu kriegen.

Was ist Ihre Aufgabe als Sprecher der Sicherheitsbeauftragten?

Zum Beispiel den jährlichen Erfahrungsaustausch der Sicherheitsbeauftragten zu organisieren. Dabei sprechen wir über Schwachstellen, Probleme und Erfahrungen. Beim letzten Mal haben wir zum Thema „Brandschutz und Arbeitssicherheit“ eine Werkstatt mit Gefährdungen präpariert. Aufgabe der Sicherheitsbeauftragten war es, die arrangierten Probleme zu finden.

Gibt es ein besonderes Projekt aus dem Bereich Arbeitssicherheit, von dem Sie berichten können?

Unsere Müllwerker sind im Sommer der Hitze ausgesetzt, und kurze Hosen sind gefährlich. Sie brauchten eine Hose, die sicher und zugleich komfortabel zu tragen ist. Da haben sich Sicherheitsbeauftragte mit den Kollegen und dem arbeitssicherheitstechnischen Dienst zusammengesetzt und die Anforderungen an ein Kleidungsstück formuliert. Nach diesen Vorgaben entwickelte ein Hersteller eine leichte Sommerhose. Sie besteht aus einem leichten Material mit spezieller Webtechnik und Belüftung im Schritt- und Kniebereich. Mittlerweile wird die Textilie bei der Abfallwirtschaft benutzt.

Würden Sie jemandem empfehlen, Sicherheitsbeauftragter zu werden?

Auf jeden Fall. Man kann mithelfen, Unfälle zu verhindern, eine wirklich gute Sache.

Merken Sie manchmal auch im Privatleben, dass Sie  Sicherheitsbeauftragter sind?

Wenn ich in einem Hotel übernachte, sehe ich mir jedes Mal als Erstes den Flucht- und Rettungsplan an.

Aufgezeichnet von René de Ridder, Redakteur (Universum Verlag)

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