Fast die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in Büros und ist damit auf eine gute Beleuchtung angewiesen. Denn das Licht, vor allem das Tageslicht, beeinflusst den Biorhythmus, den Schlaf-Wach-Rhythmus und weitere wichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Hormonspiegel oder das Ess- und Schlafverhalten.

Das Licht ist ein wichtigster Taktgeber des Körpers. Das Licht löst physiologische Prozesse aus, wie beispielsweise die Bildung von Vitamin D und der Hormone Serotonin und Noradrenalin. Morgens wird dabei der Müdemacher Melatonin blockiert, das stimmungsaufhellende Serotonin ausgeschüttet und das stoffwechselanregende Stresshormon Cortisol versetzt den Körper in Betriebsmodus. Am Abend kommt es zu einer Umkehr dieser Effekte. Bei Lichtmangel wird deren Produktion gestört ebenso wie der Tag-Nacht-Rhythmus. Dies führt zu Müdigkeit oder Schlafstörungen und kann Depressionen nach sich ziehen. Aufgrund dieser positiven Wirkungen des natürlichen Lichts für die Gesundheit müssen „Arbeitsstätten möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und mit Einrichtungen für eine der Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten angemessenen künstlichen Beleuchtung ausgestattet sein“. So schreibt es die Arbeitsstättenverordnung vor.

Tageslicht statt künstlichem Licht

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt in ihrer DGUV Information 215-211, dass das Verhältnis von lichtdurchlässigen Flächen wie Fenstern, Türen oder Dachoberlichtern zur Raumgrundfläche mindestens 1:10 beträgt. Für Räume mit höheren Sehanforderungen soll ein Verhältnis von 1:5 angestrebt werden. „Die Beleuchtung am Arbeitsplatz sollte den Sehaufgaben entsprechen: je schwieriger die Sehaufgabe, desto höher die Beleuchtungsstärke. Mindestens 500 Lux sind richtig“, erklärt Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de.

Werden die geforderten Beleuchtungsstärken durch Tageslicht nicht erreicht, etwa weil die äußerliche Bebauung keinen stärkeren Lichteinfall ermöglicht oder die Jahreszeit es verhindert, muss künstliche Beleuchtung zugeschaltet werden. „In der Regel werden dafür drei unterschiedliche Beleuchtungskonzepte angewendet“, erläutert Waldorf. Die raumbezogene Beleuchtung schaffe an allen Stellen im Raum gleichmäßige Sehbedingungen und bleibe damit flexibel, auch wenn Arbeitsbereiche umgestellt würden. Im Gegensatz zur arbeitsbereichbezogenen und zur teilflächenbezogenen Beleuchtung, die nur jeweils einen Teil des Büros erhellen. „Die arbeitsbereichbezogene Beleuchtung ist ideal bei mehreren Arbeitsbereichen in einem Raum, die unterschiedliche Sehaufgaben aufweisen und damit ein unterschiedliches Beleuchtungsniveau erfordern, während die teilflächenbezogene Beleuchtung nur einen bestimmten Teil des Büros erhellt“, erklärt Waldorf.

LED-Leuchten reduzieren Energiebedarf

Der Experte empfiehlt ein Lichtmanagementsystem: „Moderne Beleuchtungstechnik sorgt dafür, dass das richtige Licht zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge zur Verfügung steht. LED-Leuchten mit Präsenz- und Tageslichtsteuerung können in Innenräumen den Energiebedarf um bis zu 80 Prozent reduzieren – bei gleichzeitig höherem Lichtkomfort.“ Die wohltuenden Aspekte des Tageslichts würden das Beleuchtungskonzept Human Centric Lighting in Innenräume übertragen, indem es etwa Beleuchtungsstärke, Lichtfarbe und Lichtrichtung analog zu Sonnenstand und Jahreszeit abbilde, so Waldorf weiter.

Für die Beleuchtung des Büros mit künstlichem Licht gibt es verschiedene Leuchtentypen. Am häufigsten wird man in Büros Steh-, Pendel- oder Deckenlampen antreffen. Sie sorgen dafür, dass der gesamte Arbeitsbereich beleuchtet wird im Gegensatz zu Schreibtischlampen, die nur einen Teil ausleuchten. Dennoch gibt es gute Gründe nicht auf diese zu verzichten, denn die Beleuchtung sollte individuell auf die Bedürfnisse jedes Mitarbeiters anpassbar sein. Hier können Schreibtischlampen helfen. „Eigene Einstellmöglichkeiten sind wichtig, denn schon ab 30 Jahren steigt der Lichtbedarf, dann helfen höhere Beleuchtungsstärken dabei, die schwächere Sehleistung auszugleichen. Zum Vergleich: Ein Fünfzigjähriger hat einen mehr als dreimal so hohen Lichtbedarf wie ein Zwanzigjähriger“, so Waldorf.

Als Lichtquelle empfiehlt er LEDs: „Sie benötigen nur wenig Energie und entlasten die Stromrechnung nachhaltig. Zudem halten LED-Leuchten und LED-Module viele Tausend Stunden lang, sind robust, wartungsarm, lassen sich stufenlos dimmen, smart steuern und bieten eine hohe Lichtqualität.“

Bürobeleuchtung planen

Auf jeden Fall sollte der Entscheidung für ein Beleuchtungskonzept eine seriöse Planung vorausgehen. So lassen sich Schatten und Reflexionen vermeiden. „Schatten können als Hindernisse wahrgenommen werden und Blendung beeinträchtigt die Sehleistung: entweder durch spiegelnde oder reflektierende Flächen oder direkt etwa durch nicht abgeschirmte Lichtquellen oder falsch positionierte Leuchten“, sagt Waldorf. Um störende Reflexionen zu vermeiden, sollten die Computerbildschirme entspiegelt sein. Selbstverständlich darf auch ein Sonnenschutz nicht fehlen, der bei zu starkem Sonneneinfall ebenfalls hilft, Reflexionen zu vermeiden. Allerdings sollten Büros niemals komplett abgedunkelt werden, denn – zu wichtig ist das wohltuende Tageslicht für den Körper, damit dieser nicht aus dem Rhythmus kommt.

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