Den wichtigsten Sinn vor Lärm schützen

Das Gehör ist vielleicht das wichtigste menschliche Sinnesorgan. Es ermöglicht uns, das gesprochene Wort mit all seinen Stimmungen und Emotionen wahrzunehmen. Doch durch Lärm kann das Gehör geschädigt werden. Sein Schutz ist deswegen sehr wichtig. Was Menschen als Lärm empfinden, ist individuell unterschiedlich und hängst auch von unserer jeweiligen Stimmung ab. Als Lärm bezeichnen Fachleute Schall, der unerwünscht ist, belästigt und stört.

Menschen werden vielerorts Lärm ausgesetzt. In der Freizeit, im Straßenverkehr und natürlich während der Arbeit. Die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen erkennen jährlich zwischen 5.000 und 6.000 Fälle von arbeitsbedingter Lärmschwerhörigkeit an.

Unterschiedlicher Lärm, dieselbe schädliche Wirkung

Der Lärm wirkt natürlich unterschiedlich – je nachdem, welcher Tätigkeit nachgegangen wird. Bürolärm wirkt anders störend als Maschinenlärm in einer Fabrikhalle oder einem Presslufthammer auf der Baustelle. Als gesundheitsgefährdend gilt eine Lärmdauerbelastung des Gehörs von 85 dB(A). Allerdings können auch extreme Schallspitzen, die nur kurzzeitig wirken, Gehörschäden verursachen. Die Schutzmaßnahmen jedoch werden immer nach dem STOP-Prinzip angewendet: Substitution, Technische, Organisatorische, Persönliche Schutzmaßnahmen.

Der effektivste Schutz vor Lärm ist ihn gar nicht erst zu erzeugen (Substitution). Allerdings lässt sich Lärm oft nicht vermeiden. Deshalb sollte versucht werden, den Lärm direkt an der Schallquelle zu mindern. Rutschen produzierte Teile in einen Transportbehälter, verursacht dies weniger Lärm als wenn sie hineinfallen.

Ist eine Schallreduzierung direkt an der Lärmquelle nicht möglich, können Maßnahmen getroffen werden, die die Schallübertragung mindern wie zum Beispiel Kapselung, Isolierung vom Untergrund, Schalldämpfung, Abschirmung und raumakustische Maßnahmen.

Das STOP-Prinzip bestimmt die Gehörschutzmaßnahmen

Ist es nicht möglich, den Lärm auf einen Pegel auf weniger als 85 dB(A) zu verringern, bleiben nur noch persönliche Schutzmaßnahmen: der individuelle Lärmschutz in Form von Gehörschützern. Wird dieser Pegel in Arbeitsbereichen überschritten, muss der Arbeitgeber kostenlos Gehörschützer bereitstellen.

Die Auswahl an Gehörschützern ist groß, für fast jedes Einsatzgebiet gibt es passende Modelle.

Faktoren, die bei der Auswahl des passenden Gehörschutzes eine Rolle spielen, können sein:

  • Arbeitsumgebung, zum Beispiel Temperatur, Staub, Erkennen von Warnsignalen
  • Art der Tätigkeit, zum Beispiel schwere körperliche Arbeit
  • Tragekomfort
  • müssen zum Beispiel auch Schutzbrille oder Schutzhelm getragen werden?
  • gibt es medizinische Besonderheiten, wie zum Beispiel zu enge Gehörgänge oder Ohrerkrankungen?
  • Höhe der Lärmeinwirkung

Eine wichtige Frage, die ebenfalls geklärt werden muss, lautet: Stöpsel oder Kapsel?

Gehörschutz

Die Arbeitssituation bestimmt, ob ein Kapselgehörschützer, Gehörschutzstöpsel mit Kopfbügel oder Stöpsel zum einmaligen oder mehrmaligen Gebrauch verwednet werden soll. Foto: stock.adobe.com/Douglas Gingerich

Die Frage beim Gehörschutz: Stöpsel oder Kapsel?

Als Faustregel kann hier gelten: Für eine wiederholte, aber kurzzeitige Lärmeinwirkung eignen sich Kapselgehörschützer oder Gehörschutzstöpsel mit Kopfbügel, da sie sich einfach und schnell auf- und absetzen lassen. Muss über eine längere Zeit Gehörschutz getragen werden, kommt es auf die konkrete Arbeitssituation an, welcher Typ gewählt werden sollte.

Im Zweifel können die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder die Betriebsärztin bei der Auswahl des richtigen Gehörschutzes weiterhelfen.


Weitere Informationen:

Ein Artikel von
Falk Sinß

13. Juli 2021