Diplom-Ingenieur Lothar Kreth ist Vertriebsleiter der CCI Fördertechnik GmbH in Waibstadt. Foto: CCI Fördertechnik

Warum sollte ein Unternehmen einen fünf- oder sechsstelligen Betrag investieren, um einfache Förderhilfsmittel zu prüfen?
Kreth: Dafür gibt es fünf Gründe. Zum einen geht es um die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz. Die Gefahren beginnen beim herausstehenden Nagel und gehen bis zu verrutschenden oder herabstürzenden Waren.

Das klingt nach Verletzungen bei den Mitarbeitern und dann auch wirtschaftlichen Wunden.
Exakt. Das führt uns zu Aspekt Nummer zwei: dem sicheren Ablauf logistischer Prozesse. Defekte Paletten können signifikante Störungen in der Produktion, im Lager und unterwegs verursachen. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. weiß, dass fast jedes fünfte betroffene Unternehmen einen Schaden von mindestens einer halben Million Euro verbuchen musste. Und Kundenbeschwerden hagelt es obendrein.

Braucht es angesichts dieser großen Risiken noch weitere Argumente?
Das ist eine Frage der Perspektive. Denn ein wichtiger, dritter Punkt ist die Wirtschaftlichkeit. Schließlich lässt sich eine solche Prüfanlage auch als Profitcenter nutzen: Die guten A-­Paletten werden verkauft und durch günstigere B­-Ware substituiert. Das bringt pro Stück nur wenig mehr als einen Euro – bei entsprechendem Umschlag aber amortisiert sich die Maschine sehr schnell.

Gesundheit, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit – noch fehlen zwei Gründe!
Der Klimawandel führt uns vor Augen, wie wichtig Nachhaltigkeit tatsächlich ist. Hier punktet die Palettenprüfung ebenfalls: Vermeintlich schlechte Paletten, die alle Tests sauber bestehen, brauchen nicht durch neue Ladungsträger ersetzt zu werden; aussortierte Paletten lassen sich überholen und weiterverwenden. Und zu guter Letzt geht es darum, sich vor Bußgeldern oder gar strafrechtlicher Verfolgung zu schützen.

Die Palettenprüfmaschine CompactLine bietet – trotz ihrer Länge von nur zwei Metern – bis zu zehn Prüfmodule. Foto: CCI Fördertechnik

 

Inwiefern?
Sämtliche Paletten sind dem Produktsicherheitsgesetz und der DGUV Regel 108­007 unterworfen. Sicherheit und Gesundheit von Personen dürfen demnach nicht gefährdet werden. Und Paletten mit Schäden oder Mängeln „müssen instand gesetzt oder der Benutzung entzogen werden“.

Wann rentiert sich die Anschaffung einer Palettenprüfmaschine?
Diese Investition lohnt sich aus Sicherheitsaspekten immer! Betriebswirtschaftlich gesehen rechnet sie sich im Einschichtbetrieb ab einem Durchsatz von 100 Paletten pro Stunde. Bei zwei Schichten sollten es mindestens 50 Stück in der Stunde sein.

Was müssen Interessenten beachten?
Man kann grundsätzlich alle gängigen Palettentypen maschinell kontrollieren. Wichtig ist das Wie: Manche Anlagen prüfen mechanisch, andere dagegen mit überwiegend sensorischen Verfahren. Sensoren klingen zwar nach Industrie 4.0 – aber auf diesem Gebiet ist im Vorteil, wer die Transporthilfsmittel echten Kräften aussetzt.

Das funktioniert nur bei unbeladenen Prüflingen?
Nein, es gibt auch Lösungen für beladene Förderhilfsmittel. Doch bei einer Leerpalette sind Sie naturgemäß viel weniger eingeschränkt.

Das Interview führte: Karim Alexander Eichinger

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