Laut Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) hat der Unternehmer dafür zu sorgen, dass am Arbeitsplatz für die Beschäftigten „gesundheitlich zuträgliche Atemluft“ garantiert ist. Was das bedeutet, wird in der Technischen Regel für Arbeitsstätten „Lüftung“ (ASR A3.6) konkretisiert.

Zunächst wird die freie Lüftung beschrieben, das ist im einfachsten Fall die Fensterlüftung. Auch Dachlüftungssysteme oder Schachtlüftungen zählen dazu. Für die freie Lüftung werden sogenannte Mindestöffnungsfläche gefordert. Pro anwesende Person im Arbeitsraum wird ein Wert in Quadratmetern angegebenen, den die Öffnungsflächen mindestens erreichen müssen. Die Flächen liegen je nach Raumgröße und weiteren Bedingungen zwischen 0,35 und 1,05 m² für jede anwesende Person oder pro 10 m² Grundfläche des Raumes.

Strenge Vorschriften für Raumlüftung

Können diese Werte nicht erreicht werden, zum Beispiel wenn die Fenster durch Lärmbelästigung von außen nicht lange genug geöffnet werden können oder die baulichen Verhältnisse ungünstig sind, schreibt die ASR A3.6 den Einsatz von raumlufttechnischen Anlagen vor. Das können einfache Abluftanlagen sein, in denen die Luft nicht weiterbehandelt wird, bis hin zu Vollklimaanlagen, die die Luft heizen, kühlen, be- und entfeuchten sowie mit Filtersystemen reinigen.

Die RLT-Ablagen müssen dem Stand der Technik entsprechen und dürfen keine Zugluft erzeugen, die mittlere Luftgeschwindigkeit darf in der Regel 0,15 Meter pro Sekunde nicht überschreiten.

Die Anlagen müssen jederzeit einwandfrei funktionieren und eine selbstständige Warneinrichtung besitzen, die Störungen anzeigt. Wenn am Arbeitsplatz Gefahrstoffe zum Einsatz kommen, sind zusätzlich die Vorschriften der Gefahrstoffverordnung und der zugehörigen Technischen Regeln zu beachten.

Hohes Gefährdungspotenzial bei Raumlüftung

RLT-Anlagen bergen oft ein erhebliches Gefährdungspotenzial in sich, das hauptsächlich auf unzureichende Wartung zurück zuführen ist. Mit der Zeit können sich in der Anlage Keime bilden, die sich in der Atemluft verteilen. Bei manchen Menschen entwickelt sich dann beispielsweise die sogenannte Befeuchterlunge, die zu den allergisch bedingten Entzündungen des Lungengewebes zählt und langfristig schwere Folgen für den Betroffenen haben kann. Auch die gefürchteten Legionellen können sich in solchen Umgebungen stark vermehren.

Nicht nur die Gesundheit leidet unter verschmutzten Anlagen, sondern auch die Sicherheit, denn die Brandgefahr nimmt deutlich zu. Und nicht zuletzt verbraucht eine solche Anlage mehr Energie und ihr Betrieb wird unwirtschaftlich. Daher wurde im Jahr 1998 die VDI 6022 erlassen, eine Richtlinie des Fachbereiches Technische Gebäudeausrüstung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Sie beschreibt den Stand der Technik bezüglich der Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und legt unter anderem Wartungsintervalle fest. Diese Hygieneinspektionen dürfen nur durch Fachpersonal durchgeführt werden, das eine „Hygieneschulung nach VDI 6022“ absolviert hat. Die Schulung kann bei unterschiedlichen Anbietern absolviert werden, der Schulungsanbieter muss vom VDI zertifizier werden. Die VDI 6022 wurde zuletzt im Jahr 2018 umfangreich aktualisiert und geht dabei erstmals detailliert auf die Gefährdungsbeurteilung von RTL-Anlagen ein.

Richtlinien zur Raumlüftung

Prinzipiell müssen daher auch RLT-Anlagen gemäß §3 der Arbeitsstättenverordnung einer Gefährdungsbeurteilung unter zogen werden. Das wird oft nicht durchgeführt, ist aber unerlässlich. Deshalb geht die im Jahr 2018 umfangreich aktualisierte VDI-Richtlinie 6022 ausführlich auf sie ein.

Die Anforderungen an RTL-Anlagen sind in den vergangenen Jahren nicht nur im Bereich der Hygiene erheblich gewachsen. Auch energetische Aspekte rücken in den Vordergrund. Die „Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 1253 / 2014 Lüftungsanlagen“ beispielsweise legt fest, welche Effizienzniveaus die Ventilatormotoren als die größten Stromverbraucher der Anlagen einhalten müssen. Die 2016 eingeführte DIN EN ISO 16890 fordert ein neues, realitätsnäheres Messverfahren zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Filter und nicht zuletzt hat der VDI im Jahr 2018 mit der überarbeiteten Richtlinienreihe 3803 ein umfassendes Regelwerk für raumlufttechnische Anlagen vorgestellt.

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