Stress ist per se gesundheitsgefährdend
Irrtum 1: Stress ist per se gesundheitsgefährdend Grafik: Tobias Dahmen

1.) Stress ist per se gesundheitsgefährdend

Stress ist eine psychische Überforderung. Das bedeutet, dass die Anforderungen an den Menschen höher sind als sein Leistungsvermögen. Insofern ist Stress immer negativ, nie positiv – die früher gebräuchliche Unterscheidung in guten und schlechten Stress ist seit Jahrzehnten nicht mehr richtig. Negativ heißt aber nicht, dass auf jeden Fall die Gesundheit leidet. Kurzfristiger Stress von leichtem bis mittlerem Ausmaß ist unproblematisch. Kritisch wird es, wenn Stress lange andauert und / oder extrem intensiv ist.  So nimmt beispielsweise durch Stress das Unfallrisiko zu oder er kann Krankheiten wie Bluthochdruck, Kopf- und Rückenschmerzen auslösen.  Wenn Stress erfolgreich bewältigt wird, kann dies auch positive Aspekte haben. Zum Beispiel kann ein Mensch dadurch erfahren, dass er seine Anstrengungen zur Stressbekämpfung erfolgreich waren.

2.) Stress ist ein modernes Phänomen

Irrtum 2: Stress ist ein modernes Phänomen
Irrtum 2: Stress ist ein modernes Phänomen Grafik: Tobias Dahmen

Ja, und zwar ein dauerhaftes modernes Phänomen. Es ist quasi chronisch akut. Stress ist mehr und mehr ein Modebegriff geworden, der im Zusammenhang mit psychosomatischen Störungen, aber auch Verhaltensstörungen und Krankheiten allgemein gebraucht wird. Doch nicht erst – wie viele denken – in jüngster Zeit, sondern seit fast 40 Jahren. Im Prinzip ist es auch gar nicht schlimm, dass wir es mit einem dauerhaften Modethema zu tun haben. Schlecht ist nur, wenn mit der Mode auch die Seriosität im Umgang mit dem Thema abnimmt. Das ist im Moment leider der Fall.

Irrtum 3: Stress belastet nur die Psyche
Irrtum 3: Stress belastet nur die Psyche Grafik: Tobias Dahmen

3.) Stress entsteht durch zu viel bzw. schlecht organisierte Arbeit

Das ist so zu einfach gedacht. Schlecht organisierte Arbeit kann ein Grund für Stress sein. Aber es gibt andere, genauso wichtige Stressoren, an die im Moment kaum jemand denkt, weil die Ursachen weniger modern sind. Beispielsweise ist dauernder Straßen- oder Fluglärm ein enormer Stressor, wenn sich jemand bei der Arbeit konzentrieren muss. Sehr oft sind Ablenkungen und Unterbrechungen, zum Beispiel durch die Handynutzung am Arbeitsplatz, WhatsApp oder durch soziale Netzwerke, ein echtes Problem.  Weitere wichtige Stressoren sind beispielsweise die fehlende Anerkennung durch den Vorgesetzten oder Kollegen sowie die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte.

4.) Lange Anfahrtswege zur Arbeit machen krank und einsam

Irrtum 4: Berufspendler sind besonders gestresst
Irrtum 4: Berufspendler sind besonders gestresst Grafik: Tobias Dahmen

Das kommt auf die Wahl des Verkehrsmittels an. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, kann durchaus kommunikativ und entspannend sein. Wenn gerade gestreikt wird, ist das natürlich etwas ganz anderes. Lange Autofahrten können da schon stressiger und gefährlicher) sein, besonders wenn die Fahrt zugleich noch zum Arbeiten oder zum sozialen Austausch über das Handy genutzt wird. Ein aus meiner Sicht größer werdendes Problem ist, welche Informationsflut uns beim Autofahren zugemutet wird – angefangen von völlig übertriebenen und teilweise falschen oder widersprüchlichen Verkehrsausschilderungen, besonders an Baustellen, bis hin zum Missbrauch der Straßenränder für Werbung oder Wahlplakate. Entsprechend sind Beschäftigte oftmals schon informationsüberflutet, wenn sie am Arbeitsplatz ankommen.

5.) Stress belastet nur die Psyche

Irrtum 5: Stress entsteht durch zu viel bzw. schlecht organisierte Arbeit
Irrtum 5: Stress entsteht durch zu viel bzw. schlecht organisierte Arbeit Grafik: Tobias Dahmen

Dieses Missverständnis ist en vogue aber fatal. Stress muss immer im Dreiklang möglicher Folgen gesehen werden: Stress als Mitursache psychischer Erkrankungen, Stress als Mitursache für körperliche Erkrankungen (Psychosomatik) und Stress als Unfallursache. Dass  er im Moment nur in Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen gesehen wird, hat schlimme Folgen. Denn: Wichtige weitere Aspekte gehen dabei verloren und werden somit in der Prävention vernachlässigt.

6. Gegen Stress hilft nur Entspannung

Irrtum 6: Gegen Stress hilft nur Entspannung
Irrtum 6: Gegen Stress hilft nur Entspannung Grafik: Tobias Dahmen

Falsch! Gegen Stress hilft erst einmal Prävention. Die muss aber im beruflichen und im privaten Kontext gleichermaßen erfolgen. Wenn ich am Arbeitsplatz einer großen Informationsflut ausgesetzt bin, muss ich versuchen, das zu ändern. Zugleich sollte ich aber auch prüfen, welche Informationsflut im Privatleben auf mich einströmt. Wenn zum Beispiel der durchschnittliche Nutzer von WhatsApp täglich mehr als 160 Nachrichten am Tag erhält, ist das ein Stressor. Richtige Entspannung ist wichtig und sollte auch genutzt werden, um Stress zu vermeiden. Aber vor der „Therapie“ sollte die Prävention stehen.

Autor: Jens Meiselwitz

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