PRÄVENTION AKTUELL: Es gibt viele Richtlinien und Verordnungen, die auf den Brandschutz Bezug. Gibt es aber eine Verordnung oder Richtlinie, die Unternehmen nutzen können, um den betrieblichen Brandschutz zu organisieren?

SPRENGER: Die Kompetenz zur Gesetzgebung für arbeitsschutzrechtliche Anforderungen in den Unternehmen liegt auf der Bundesebene. Maßgebend ist hier zunächst das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und folgend die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sowie die Technischen Regeln für Arbeitsstätten(ASR).

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) und speziell die ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ sind aus meiner Sicht hervorragende Schriften, um a) die Grundausstattung im betrieblichen Brandschutz für alle Gewerbezweige sicherzustellen und b) bei erhöhter Brandgefährdung in Eigenverantwortung anhand einer Gefährdungsbeurteilung diese festzustellen und gegebenenfalls erforderliche zusätzliche Maßnahmen im Hinblick auf den Arbeitsplatz und die Tätigkeit festzulegen.

Die ASR A2.2 gibt ebenfalls Hinweise auf weitere Vorschriften und Regelwerke.

Gerhard Sprenger, Leiter des Sachgebiets "Betrieblicher Brandschutz" der DGUV Foto: BGN
Gerhard Sprenger, Leiter des Sachgebiets „Betrieblicher Brandschutz“ der DGUV Foto: BGN

Die Arbeitsstättenrichtlinie gehört zum Technischen Regelwerk, dass eine Vermutungswirkung hat, aber rechtlich nicht verpflichtend ist. Was bedeutet das konkret?

Alle Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) haben eine Vermutungswirkung. So auch die ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“. Das heißt, wenn der Unternehmer oder die Unternehmerin sich an das staatliche Regelwerk und dessen Vorgaben strikt halten, haben sie sogenannte Rechtssicherheit. Es gibt aber auch die Möglichkeit von den Anforderungen abzuweichen und das Schutzziel (mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten) zu erreichen. Hierzu ist eine Gefährdungsbeurteilung und deren Dokumentation erforderlich.

Sie sehen es ergeben sich zwei Möglichkeiten für jedes Unternehmen.

Und wenn ein Unternehmen beschließt, sich nicht nach der ASR zu richten, sondern den Brandschutz anhand von Gefährdungsbeurteilungen zu organisieren: Kann der Unternehmer belangt werden, wenn es doch zu einem Brand kommen sollte?

Maßgebend ist die Sicherstellung zur Erreichung und Einhaltung des bereits beschriebenen Schutzziels. Ich bin kein Rechtsexperte oder Richter, aber meines Erachtens kann der Unternehmer oder die Unternehmerin dann nicht belangt werden. Ansonsten würde die staatliche Ausnahmeregelung auch keinen Sinn machen und kein Unternehmen dürfte von den Anforderungen abweichen.

Die Brandgefahren in Unternehmen unterscheiden sich zum Teil beträchtlich. Die Brandgefahr in einem Bürogebäude ist deutlich geringer als zum Beispiel in einer Chemiefabrik oder in einem Restaurant. Gibt es einen Mindeststandard, den jedes Unternehmen, egal welcher Betriebsart, erfüllen muss?

Grundlage zum betrieblichen „Mindeststandard“ im Brandschutz ist die ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“ und die Erfüllung der Grundausstattung. Diese ist zunächst für alle Gewerbezweige vorgeschrieben. Ausnahme: Abweichende und ergänzende Anforderungen gibt es für Baustellen.

In anderen Bereichen des Arbeitsschutzes ist es oft der Faktor Mensch, der zu Unfällen führt. Wie schaut es beim betrieblichen Brandschutz aus?

Im betrieblichen Brandschutz ist oftmals auch der Mensch das sogenannte „schwache Glied in der Kette“. Eine Brandentstehung liegt in der Regel im kleinen überschaubaren Ursprung!

Der organisatorische Brandschutz im Hinblick auf sach- und fachgerechte Unterweisung der Beschäftigten und deren Nachhaltigkeit sind in den Unternehmen ausbaufähig. Dabei ist das eigentliche A&O im betrieblichen Brandschutz – die Brandvermeidung. Folglich hat das Unternehmen einen positiven Effekt in vielfacher Hinsicht (Planung, Marketing, Prämien etc.) und gleichfalls Arbeitsplatzsicherung der Beschäftigten.

Vielen Dank für das Interview!  

Weitere Informationen zum Betrieblichen Brandschutz finden Sie auf der Website des Sachgebiets „Betrieblicher Brandschutz“ der DGUV

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