Zahl der psychischen Erkrankungen steigt
Foto: AdobeStock / Pixel-Shot
Der Krankenstand ist in mehreren aktuellen Auswertungen leicht zurückgegangen. Entwarnung bedeutet das nicht. Vor allem psychische Erkrankungen bleiben für Betriebe ein wichtiger Faktor bei den Fehlzeiten – und aktuelle Analysen zeigen eine weitere Zunahme.
Die DAK meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Krankenstand von 5,3 Prozent. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stiegen Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen um neun Prozent. Sie waren damit im ersten Halbjahr 2026 der häufigste Krankschreibungsgrund. Grundlage der Analyse sind Daten von rund 2,2 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten.
Auch die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet für das erste Quartal 2026 von einem leichten Rückgang des Krankenstands. Bei psychischen Diagnosen wie Depressionen oder Angststörungen stiegen die Fehlzeiten dagegen auf durchschnittlich 0,99 Tage je Erwerbsperson. In den Vergleichszeiträumen 2025 und 2024 waren es jeweils 0,92 Tage.
Lange Ausfallzeit bei psychischen Erkrankungen
Eine weitere Perspektive liefert das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). Danach fielen AOK-Versicherte im Jahr 2025 im Durchschnitt 23,3 Tage krankheitsbedingt aus, etwas weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass psychische Erkrankungen eine besondere Rolle bei langen Ausfallzeiten spielen. Mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall weisen sie unter den betrachteten Diagnosegruppen die längsten Ausfallzeiten auf. Zudem sind die durch psychische Erkrankungen verursachten Langzeitausfälle zwischen 2016 und 2025 deutlich gestiegen.
Die Zahlen der Krankenkassen dürfen allerdings nicht unmittelbar miteinander verglichen oder zu einer gemeinsamen Statistik zusammengeführt werden. Die Analysen beruhen auf unterschiedlichen Gruppen von Versicherten, Zeiträumen und Kennzahlen. Trotzdem weisen sie in dieselbe Richtung: Ein rückläufiger Gesamtkrankenstand bedeutet nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen bei den Fehlzeiten an Bedeutung verlieren.
Für Unternehmen ist das vor allem wegen der möglichen Dauer von Ausfällen relevant. Wenn Beschäftigte länger fehlen, müssen Aufgaben und Vertretungen organisiert und gegebenenfalls Rückkehrprozesse begleitet werden.
Die Statistiken sagen allerdings nicht, wodurch eine psychische Erkrankung im Einzelfall verursacht wurde. Aus ihnen lässt sich deshalb kein einfacher Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen bestimmten Arbeitsbedingungen und Erkrankungen ableiten.
Gestaltung der Arbeit als wichtiger Faktor
Für die betriebliche Prävention bleibt der Blick auf psychische Belastung dennoch wichtig. Unternehmen können die Bedingungen gestalten, unter denen gearbeitet wird. Damit liegt ein Ansatzpunkt dort, wo betriebliche Prävention ohnehin ansetzt: bei der systematischen Betrachtung und Gestaltung von Arbeit.
Die aktuellen Fehlzeitenanalysen liefern deshalb weniger eine einzelne Alarmzahl als ein deutliches Signal: Psychische Erkrankungen bleiben für Betriebe ein relevantes Gesundheitsthema. Wer nur auf den Gesamtkrankenstand schaut, kann diese Entwicklung übersehen.



