Schutz und Kühlung müssen zusammenpassen

Kurze Hose, kühler Körper? So einfach ist Hitzeschutz bei der Arbeit nicht. Arbeitskleidung muss Wärme abführen und zugleich vor UV-Strahlung und weiteren Gefährdungen schützen.

Text: Jan Gundermann

AUF DEN PUNKT:

  • Die Gefährdungsbeurteilung bestimmt die nötigen Schutzfunktionen
  • Leichte Funktionstextilien und Belüftungszonen unterstützen die Wärmeabgabe
  • Kleidung ergänzt technische und organisatorische Maßnahmen, ersetzt sie aber nicht

Wer an heißen Sommertagen im Freien, auf Baustellen oder in anderen körperlich fordernden Arbeitsbereichen tätig ist, steht vor einem Zielkonflikt. Der Körper muss Wärme möglichst gut abgeben können. Gleichzeitig dürfen UV-Schutz, Sichtbarkeit und weitere Schutzanforderungen nicht vernachlässigt werden.

Passende Arbeitskleidung setzt deshalb nicht einfach auf möglichst wenig Stoff. Entscheidend sind dünne und atmungsaktive Materialien, Schnitt, Belüftung und die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes.

Hitze verändert die Anforderungen, nicht den Schutzbedarf

Steigen die Temperaturen, liegt der Griff zu kurzer Hose und T-Shirt nahe. Am Arbeitsplatz ist die Situation jedoch komplexer. Beschäftigte im Freien müssen beispielsweise vor UV-Strahlung geschützt werden. In Verkehrsbereichen kann zusätzlich Warnschutz erforderlich sein. Je nach Tätigkeit kommen weitere Gefährdungen hinzu.

Die Auswahl der Kleidung sollte deshalb immer aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgehen. Erst danach stellt sich die Frage, wie sich die notwendigen Schutzfunktionen bei hohen Temperaturen möglichst angenehm umsetzen lassen.

Gerade bei Außenarbeiten müssen Hitze und UV-Strahlung gemeinsam betrachtet werden. Weniger bedeckte Haut kann zwar die Wärmeabgabe erleichtern, erhöht aber gleichzeitig die UV-Exposition. Lange und gleichzeitig luftdurchlässige Kleidung kann deshalb bei intensiver Sonneneinstrahlung die sinnvollere Lösung sein.

Funktionstextilien unterstützen die Wärmeabgabe

Bei körperlicher Arbeit produziert der Körper selbst viel Wärme. Schwitzen hilft dabei, diese über die Haut abzugeben. Arbeitskleidung sollte diesen Prozess möglichst wenig behindern.

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Material. Funktionsstoffe können Feuchtigkeit von der Haut nach außen transportieren und schneller trocknen als schwere oder stark saugende Gewebe. Je nach Material kommen weitere Eigenschaften wie eine geruchshemmende Ausstattung hinzu. Viele dieser Funktionen lassen sich insbesondere mit Kunstfasern gezielt in einem Kleidungsstück kombinieren. Baumwolle kann Feuchtigkeit dagegen stärker aufnehmen und länger speichern, wodurch sich das Material bei schweißtreibenden Tätigkeiten länger nass anfühlen kann.

Dabei ist Kunstfaser nicht gleich Kunstfaser. Wie bei Sport-Funktionsshirts unterscheiden sich die Materialien deutlich hinsichtlich ihrer funktionalen Eigenschaften und ihres Tragegefühls. Entscheidend ist deshalb nicht allein, welche Faser eingesetzt wird, sondern wie das Material verarbeitet und kombiniert wird. Hochwertige Kunstfasern können sich auf der Haut weich und nahezu baumwollähnlich anfühlen. Auch Materialkonstruktionen mit Polypropylen auf der Innenseite können Feuchtigkeitsmanagement und angenehmen Hautkontakt miteinander verbinden.

Ebenso relevant ist die Konstruktion. Belüftungszonen aus offenporigem Mesh können gezielt an Stellen eingesetzt werden, an denen besonders viel Wärme und Feuchtigkeit entstehen. Bei Oberteilen sind das beispielsweise die Achselbereiche. Bei Arbeitshosen können unter anderem der hintere Bund, der Schritt oder die Kniekehlen einbezogen werden. Die gezielte Anordnung dieser Belüftungszonen kann einen Ventilationseffekt erzeugen, der für Luftzirkulation unter dem Kleidungsstück sorgt.

Damit wird deutlich, dass die Länge eines Kleidungsstücks allein wenig darüber aussagt, wie gut es für heiße Arbeitstage geeignet ist. Auch lange Kleidung kann bei entsprechender Materialwahl und gezielter Belüftung ein angenehmes Körperklima unterstützen.

UV-Schutz und Tragekomfort zusammendenken

Für Beschäftigte, die regelmäßig im Freien arbeiten, gehört UV-Strahlung zu den Gefährdungen, die bei der Auswahl der Arbeitskleidung berücksichtigt werden müssen. Bedeckte Haut bietet dabei grundsätzlich einen verlässlicheren Schutz als unbedeckte Haut, die regelmäßig eingecremt werden muss.

Sinnvoll sind deshalb leichte, luftdurchlässige Textilien mit ausgewiesenem UV-Schutz. Ein Ultraviolet Protection Factor, kurz UPF, bietet dabei Orientierung bezüglich der Schutzwirkung des Materials.

Gleichzeitig darf der Tragekomfort nicht unterschätzt werden. Kleidung, die theoretisch optimal schützt, in der Praxis aber als zu heiß oder unangenehm empfunden wird, wird unter Umständen nicht konsequent getragen. Eine gute Passform, geringe Materialstärke und funktionierende Belüftungszonen sind daher nicht nur Komfortmerkmale, sondern unterstützen auch die praktische Umsetzung des Arbeitsschutzes.

Warnschutz darf nicht zur zusätzlichen Belastung werden

Besonders deutlich zeigt sich der Zielkonflikt bei Beschäftigten, die Warnschutzkleidung benötigen. Sichtbarkeit bleibt auch bei hohen Temperaturen notwendig. Mehrere Bekleidungsschichten können jedoch die Wärmeabgabe erschweren.

Hier sollte geprüft werden, ob sich erforderliche Schutzfunktionen in geeigneten Kleidungsstücken kombinieren lassen. Zertifizierte Warnschutzshirts können beispielsweise Sichtbarkeit, UV-Schutz und Feuchtigkeitsmanagement miteinander verbinden. Abhängig von der notwendigen Schutzklasse und der Gefährdungsbeurteilung kann dadurch möglicherweise auf eine zusätzliche Bekleidungsschicht verzichtet werden.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass eine vorgeschriebene Schutzfunktion nicht allein aus Komfortgründen entfallen darf.

Kleidung ist nur ein Teil des Hitzeschutzes

Auch funktionale Sommerarbeitskleidung kann technische und organisatorische Maßnahmen nicht ersetzen. Beim Hitzeschutz gilt das TOP-Prinzip. Technische und organisatorische Lösungen haben Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen.

Wo möglich, sollten Arbeitsbereiche verschattet werden. Körperlich besonders anstrengende Tätigkeiten können in kühlere Tageszeiten verlegt werden. Ausreichende Pausen und Getränke gehören ebenfalls zu einem wirksamen Hitzeschutzkonzept. Bei hoher UV-Belastung kommen geeigneter Kopf- und Nackenschutz, Sonnenbrillen sowie Sonnenschutzmittel für unbedeckte Hautstellen hinzu.

Unternehmen sollten Sommerarbeitskleidung deshalb immer als Teil eines Gesamtkonzepts betrachten. Entscheidend ist eine Ausstattung, die die konkreten Schutzanforderungen erfüllt, den Körper möglichst wenig zusätzlich belastet und im Arbeitsalltag tatsächlich getragen wird.

Der Autor:

Jan Gundermann ist Geschäftsführer der Blåkläder Deutschland GmbH. Der schwedische Hersteller für funktionelle und langlebige Arbeitskleidung hat T-Shirts, Langarmshirts, Poloshirts und weitere Workwear im Sortiment, die Beschäftigten bei heißen Temperaturen UV-Schutz und hohe Sichtbarkeit („High Vis“) bieten.

www.blaklader.de/