Ausgezeichnetes Gesundheits­management

Mit dem Corporate Health Award werden Unternehmen und Organisationen geehrt, die mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass eine Infektionskrankheit ausbrechen würde, die unseren Alltag – und gerade auch das Berufsleben – so auf den Kopf stellt? Vermutlich auch die Targobank nicht. Trotzdem hatte das Finanzunternehmen bereits vor COVID-19 einen Pandemieplan ausgearbeitet. Als das Virus die Wirklichkeit dann mehr und mehr in einen Science-Fiction-Film verwandelte, hatte es bereits einen Plan, auf den es zurückgreifen konnte. Über eine Liste mit häufig gestellten Fragen, einen Podcast und in virtuellen Sprechstunden kommunizierte das Unternehmen Sicherheitsstandards und Hygienemaßnahmen und bot zudem Schnelltests an. Weil die Targobank auch sonst ein durchdachtes und vorbildlich gesteuertes Gesundheitsmanagement vorweisen kann, wurde das Großunternehmen in seiner Branche mit dem ersten Platz des Corporate Health Awards 2020 ausgezeichnet.

DER PREIS

Der Corporate Health Award wird seit 2009 an große und mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen und an Organisationen vergeben, die sich überdurchschnittlich für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen engagieren und eine vorausschauende, nachhaltige Personalstrategie verfolgen. Initiiert wird er von EUPD Research, einem Marktforschungs-, Analyse- und Zertifizierungsinstitut, das nachhaltige Unternehmen auszeichnet, und der Handelsblatt Media Group. Im Jahr 2020 hatten sich 352 Arbeitgeber aus 15 Branchen für die Auszeichnung beworben.

Mehr Informationen unter: www.corporate-health-award.de

BESTANDTEIL DER UNTERNEHMENS­­FÜHRUNG

„Das Jahr 2020 hat uns allen gezeigt, dass betriebliches Gesundheitsmanagement kein ‚Nice to have‘-Programm ist“, sagt Steffen Klink von EUPD Research, der den Corporate Health Award leitet. Es habe sich zum essenziellen Bestandteil der Unternehmensführung entwickelt und sichere das Wohl der Beschäftigten ebenso wie die Zukunftsfähigkeit der Arbeitgeber. „Ziel des Awards ist es, gemeinsam mit den ausgezeichneten Vorbildern, das Bewusstsein zur hohen Bedeutung eines gesunden und wertschätzenden Umgangs mit der Belegschaft zu fördern.“

An der Targobank überzeugte die Jury insbesondere das Programm „Ça va – Wie geht’s?“, mit dem das Unternehmen seit zehn Jahren die Gesundheit und Lebensqualität ihrer Mitarbeiter ganzheitlich fördere. Zum Programm gehören Angebote wie Darmkrebsvorsorge, ein Gesundheitsmobil, das von Standort zu Standort fährt und Gesundheitschecks ermöglicht, und eine ständig erreichbare Hotline für die vertrauliche Beratung in arbeitsplatzbezogenen, aber auch persönlich-familiären Themen. Neue Führungskräfte durchlaufen bei der Targobank ein Pflichtseminar, in dem es um gesunde Führungsmethoden geht und in dem sie mit Belastungen – sowohl den eigenen als auch denen der Mitarbeiter – umzugehen lernen. Als „herausragend“ bewertete die Jury darüber hinaus das Controlling des Gesundheitsmanagements, da jede einzelne Initiative hinsichtlich ihrer Effizienz bewertet werde.

IN DER BRANCHE ENERGIEWIRTSCHAFT DURFTE SICH DIE RWE AG ÜBER DEN ERSTEN PLATZ FREUEN

In der Branche Energiewirtschaft durfte sich die RWE AG über den ersten Platz freuen. Neben dem ganzheitlichen Ansatz des Gesundheitsmanagements gefielen der Jury vor allem die interdisziplinäre Zusammenarbeit und das „doppelte Multiplikatorenkonzept“. Dabei werden pro Betrieb je eine Führungskraft und ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin besonders geschult, um Maßnahmen zu integrieren und die Belegschaft zu gesunden Verhaltensweisen zu animieren. Durch 870 Arbeitsschützer und Ergonomiescouts gelinge es RWE besonders gut, sein Gesundheitskonzept in die Fläche zu bringen.

Beeindruckt zeigte sich die Jury auch von der kontinuierlichen Prozessoptimierung, wie das Projekt „Mit dem Kopf bei der Sache“ verdeutliche. Durch ein spezielles Trainingskonzept soll insbesondere die Achtsamkeit für Stolperunfälle erhöht werden: „In Kraftwerken finden sich naturgemäß viele Stolperfallen. Die lassen sich nicht völlig beseitigen. Doch wir können dafür sorgen, dass diese Gefahren besser wahrgenommen werden“, beschreibt Bernhard Hoffmann, Leiter für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bei RWE, die Aufgabe.

MODERNE PERSONAL­ARBEIT

In der Kategorie „Öffentliche Verwaltung“ hat die Stadt Wiesbaden den Preis zum vierten Mal erhalten. Das integrierte Gesundheitsmanagement verfolge einen „hervorragenden ganzheitlichen Ansatz“, so die Jury. Laut Sprecher der Stadt werden dabei alle Aspekte der modernen Personalarbeit vernetzt. Dazu zählten neben dem klassischen Arbeitsschutz auch Work-Life-Balance, Unternehmens- und Führungskultur sowie Hilfsangebote in Krisen und bei Konflikten.

Besonders beeindruckte die Jury die „seit Jahren verfolgte Etablierung eines gesundheitsorientierten Führungsverständnisses“, so Steffen Klink. Dazu erklärt ein Sprecher der Stadt: „Führungskräfte tragen eine hohe Verantwortung für die Zufriedenheit ihrer Beschäftigten und haben durch ihren Führungsstil starken Einfluss auf Motivation, Engagement, Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten.“ Deswegen werde der Aspekt der gesundheitsorientierten Führung auf allen Ebenen des Personalmanagements, also von der Personalauswahl bis hin zu einem angemessenen Zeitbudget zur Erfüllung von Führungsaufgaben, als Leitgedanke zugrunde gelegt.

Ausgezeichnetes Gesundheitsmanagement: Portraitfoto Steffen Klink
Steffen Klink, Leiter des Corporate Health Awards. Foto: Mike Wenski

Weiterhin überzeugte die Jury das „umfassende und wissenschaftlich begleitete Konzept zur psychischen Gefährdungsbeurteilung“ der Stadtverwaltung, die auf der Basis einer Befragung aller 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stattfand. Ziel dabei war, insbesondere psychische Belastungen und Beanspruchungen zu erfassen und die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, mit den Vorgesetzten sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermitteln, so der Sprecher. Anschließend seien die Ursachen der Belastungs- und Problemschwerpunkte analysiert, priorisiert und Verbesserungsvorschläge erarbeitet und umgesetzt worden.

GESUNDHEIT ALS HERZENS­ANGELEGEN­HEIT

Von den mittelständischen Bewerbern erhielt die Bergader Privatkäserei in der Kategorie Konsumgüter die Auszeichnung. Knapp 700 Menschen arbeiten bei dem Käsehersteller aus Oberbayern. Die Gesundheit seiner Mitarbeiter sei dem Familienunternehmen eine Herzensangelegenheit, so der Eindruck der Jury. Zu den Highlights zählen eine individuelle Betreuung durch einen Gesundheitscoach, ein Notfallservice, der Termine bei Fachärzten und Therapeuten innerhalb von zwei Tagen sicherstellt, sowie die betriebseigene Kindertagesstätte „Die Käsemäuse“. „Das ist ein herausragendes Angebot bei dieser Unternehmensgröße“, begründet Steffen Klink die Entscheidung der Juroren.

Als Preisträger des Mittelstandes für die Branche Versicherungen wurde die Verti Versicherung AG ausgewählt, die jedes Jahr eine Aktionswoche anbietet, in der Themen wie Bewegung, gesunde Ernährung, Stressprävention und Gesundheitsvorsorge auf dem Programm stehen. Darüber hinaus stellt das Unternehmen den Beschäftigten ein Fitnessstudio, Massageservice und einen Gesundheitscoach zur Verfügung. Die Arbeitsplätze sind ergonomisch eingerichtet und flächendeckend mit höhenverstellbaren Tischen ausgestattet.

Der Sonderpreis „Gesunde Hochschule – studentisches Gesundheitsmanagement“ ging an die Technische Universität Kaiserslautern (TUK). Wie wichtig Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen in der Hochschullandschaft sind, zeigt eine Befragung aus dem Jahr 2018, die an der TUK alle drei Jahre durchgeführt wird. Fast 30 Prozent der Studierenden sagten, dass sie sich ziemlich beziehungsweise häufig gestresst fühlen und circa ein Drittel gab ein hohes Erschöpfungserleben an. Die Ergebnisse dienen dem studentischen Gesundheitsmanagement CampusPlus als Grundlage für Maßnahmen und Angebote, die Studierende in einer gesunden Lebensweise unterstützen und allgemein für das Thema Gesundheitsförderung sensibilisieren sollen. Damit sie möglichst attraktiv und lebensnah sind, werden Studierende sowohl in die Planung als auch in die Umsetzung der Projekte eingebunden. Konkrete Beispiele sind ein Trimm-dich-Pfad, der quer über den Campus aufgestellt wurde, und Yogakurse gegen Prüfungsstress.

Von den mittel­ständischen Bewerbern erhielt die Bergader Privatkäserei die Auszeichnung

Die Jury überzeugte insbesondere die breite und systematisch etablierte Struktur und Steuerung des studentischen Gesundheitsmanagements, das direkt beim Präsidenten angesiedelt ist. „Das Studium soll nicht nur bestmöglich auf die Wissenschaft und Berufswelt vorbereiten, sondern unseren Studierenden zudem Strategien vermitteln, wie sie gesund und erfolgreich durchs Leben gehen können“, beschreibt Präsident Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter den Auftrag seiner Universität. Damit das auch nach seiner Amtszeit so bleibt, wurde das studentische Gesundheitsmanagement in den Hochschulentwicklungsplan aufgenommen.

DAS STUDENTISCHE GESUNDHEITSMANAGEMENT WURDE IN DEN HOCHSCHULENTWICKLUNGSPLAN AUFGENOMMEN

Ausgezeichnetes Gesundheitsmanagement: Studierende mit Auszeichnungen
Das studentische Gesundheitsmanagement der TU Kaiserslautern ist nicht nur für Studierende entwickelt worden, sondern zum Teil auch von ihnen. Foto: TUK

Text: Katharina Müller-Güldemeister