Nachfrage nach Nachhaltigkeit

Die Pandemie spielte selbstverständlich eine große Rolle bei der A+A. Aber die internationale Leitmesse für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit war nicht allein geprägt von Corona. Jenseits der allgegenwärtigen Masken gab es viele Trends und Neuheiten zu entdecken. Vor allem das Schlagwort „Nachhaltigkeit“ fiel immer wieder.

Endlich wieder Messe! Und das auch noch vor Ort in Düsseldorf und nicht nur virtuell. So lässt sich die Stimmung bei der A+A auf den Punkt bringen. Denn auch das beste Online-Videotool kann den direkten und unmittelbaren Kontakt eben nicht ersetzen – trotz Maskenpflicht und Abstandsregeln. Das Motto der Messe passte wohl selten so gut: „Der Mensch zählt.“

Das Messegefühl stellte sich entsprechend schnell ein: mit dem Gewusel in den Gängen zwischen den Ständen für Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe und Schutzhandschuhe. Und auch das Stimmengewirr in etlichen Sprachen fühlte sich neu und zugleich vertraut an. Da wurden Neuheiten angepriesen und Kontakte geknüpft, da wurde gesmalltalkt und gefeilscht. Vielleicht war so mancher ein bisschen eingerostet. Wie am niederländischen Stand für Sicherheitshandschuhe aus Leder, wo ein südeuropäischer Vertreter für seine Firma ein ordentliches Angebot herausholen wollte. Vom geradebrechten „What is good cost?“ waren beide Männer dann aber schnell beim „best price“. Ob sie sich handelseinig wurden, ist allerdings nicht bekannt.

Ungewissheit herrschte im Vorfeld, wie gut die A+A angenommen würde. Letztlich waren viele der 1.204 Aussteller aus 56 Nationen positiv überrascht ob des Zuspruchs. Mehr als 25.000 Fach­besucher machten sich an vier Tagen in Düsseldorf ein Bild von den Trends und Neuheiten. „So viele haben wir nicht erwartet“, sagte stellvertretend für viele Kurt Madsen vom dänischen Arbeitskleidungshersteller Mascot.

Zwei Jahre zuvor waren es in der Vor-Corona-Zeit zwar fast doppelt so viele Aussteller und mehr als 78.000 Besucher. Aber insgesamt lautete das Fazit: Mut belohnt, Experiment gelungen. „Dem Wunsch unserer Aussteller nach einer Plattform für den persönlichen Austausch und Produktpräsentationen, die alle Sinne ansprechen, sind wir sehr gerne nachgekommen“, bilanzierte Erhard Wienkamp, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf GmbH.

A+A Arbeitsschutzmesse 2021, Stand Uvex
Uvex hat auf der Messe eine Workwear-Kollektion vorgestellt, die komplett kompostierbar ist. Foto: Messe Düsseldorf/ctillmann

DIE ANSPRÜCHE SIND GEWACHSEN

Ungebrochen scheint das Interesse am großen Thema Nachhaltigkeit. „Früher galt für Arbeitskleidung vor allem: Praktisch, haltbar und preiswert muss sie sein“, fasste Kurt Madsen zusammen, dessen Unternehmen Mascot International die neue Kollektion vorstellte. Jetzt seien die Ansprüche gewachsen, die Kleidung müsse zudem einen hohen Tragekomfort und ein schönes Design aufweisen. Noch dazu würden die Kunden immer öfter die Produktions- und Lieferketten hinterfragen. „Unsere Produkte sind nach den höchsten Standards zertifiziert, weil die Kunden das wünschen.“

Eine verstärkte Nachfrage nach nachhaltigen Produkten bestätigte man auch am Stand von Haix. Beispielsweise mit Shirts aus Lyocell – einer Faser auf Eukalyptusbasis – trägt das Unternehmen dem Rechnung. Die neue Generation von Arbeits- und Berufskleidung trägt aus gutem Grund den Namen „Work-Life-Kollektion“. „Weil sie für die Arbeit genutzt wird, aber auch in der Freizeit getragen werden kann“, erklärte Dominik Schleidgen aus der Marketingabteilung des Unternehmens. Der Trend gehe zu „Arbeitsbekleidung, die sich nicht anfühlt wie Arbeitsbekleidung“. Schuhe – das Kerngeschäft von Haix – müssten beispielsweise so komfortabel sein, dass man sie beim Tragen nicht spüre. „Dann bin ich in der Lage, mich voll auf die Arbeit zu konzentrieren und Spitzenleistungen zu bringen“, so Schleidgen.

Am weitesten in Sachen Nachhaltigkeit geht wohl Uvex. Das Fürther Unternehmen hat auf der A+A die Planet-Produktserie aus recyceltem oder biobasiertem Material vorgestellt. Dazu gehört die Workwear-Kollektion „suXXeed greencycle planet“, die sogar komplett kompostierbar ist – die Verpackung, der Stoff und sogar jeder einzelne Knopf, verspricht Uvex. Etwa 400 Tage soll es dauern, bis die Jacken, Shirts und Hosen aus dieser Kollektion komplett zersetzt und dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt worden sind. Die Herstellung ist von Anfang bis Ende mit dem „Cradle to cradle“-Nachhaltigkeitssiegel zertifiziert: Von der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit der verwendeten Stoffe und Materialien über den Energieverbrauch bei Produktion und Transport bis hin zu Sozialstandards ist damit alles abgedeckt. Jetzt wolle man herausfinden, ob sich solche Produkte am Markt durchsetzen, ist Thorsten Udet gespannt. Denn der Uvex-Marketingleiter verrät kein Geheimnis, wenn er sagt: „Nachhaltigkeit kostet. Die Produkte herzustellen, ist teurer und aufwendiger.“

Fazit nach vier Tagen A+A: Die Angebote sind da. Nun müssen die Kunden darüber entscheiden, ob Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Arbeitsbekleidung eine leere Worthülse bleibt oder sich tatsächlich dauerhaft in den Produkten niederschlägt.

Text:  Holger Schmidt