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Schatten ist der wirksamste Sonnenschutz
Umsetzung des TOP-Prinzips

KI-generiertes Bild: kleon better publishing – Bild erstellt mit Chat GPT
Der Sommer ist da und mit ihm kommen Sonne und Hitze. Für die Arbeit – speziell im Freien – ist das auch aufgrund des Klimawandels eine immer größere Herausforderung. Beschäftigte zu schützen, ist ein wichtiger Teil des Arbeitsschutzes.
Text: Holger Toth (Redaktion)
AUF DEN PUNKT:
- Technik reduziert Hitze und UV-Strahlung direkt am Arbeitsplatz
- Organisation begrenzt Dauer und Intensität der Belastung
- PSA ergänzt die Maßnahmen und wird bei Erreichen bestimmter Schwellenwerte obligatorisch
Die Belastungen summieren sich im Sommer schnell, wenn körperliche Arbeit auf hohe Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung trifft. Entscheidend ist dabei nicht nur das Thermometer. Luftfeuchte, Wind und Kleidung beeinflussen, wie stark der Körper tatsächlich belastet wird. Der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) hat diese Faktoren deshalb für die Gefährdungsbeurteilung zur sogenannten Beurteilungstemperatur zusammengeführt. Schon bei identischer Lufttemperatur kann sie deutlich höher liegen – beispielsweise, wenn Beschäftigte in praller Sonne arbeiten.
Die Folgen reichen von Konzentrationsverlust bis zu ernsthaften Gesundheitsstörungen. Flüssigkeitsmangel, Hitzeerschöpfung oder im Extremfall ein Hitzschlag sind keine Ausnahmefälle, sondern reale Risiken im Arbeitsalltag.
Technik: Schatten, Luft, Abstand zur Hitze
Am effektivsten schützen technische Maßnahmen – deswegen stehen sie im TOP-Prinzip des Arbeitsschutzes vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Ein Sonnensegel auf der Baustelle oder eine Überdachung im Lagerhof verändern die Situation sofort. Wo Schatten ist, sinken Strahlungsbelastung und Temperaturen unmittelbar – ein Effekt, den keine Sonnencreme leisten kann.
Auch Luftbewegung spielt eine zentrale Rolle. Ventilatoren, offene Bauweisen oder gezielte Durchlüftung helfen dem Körper, Wärme abzugeben. In bestimmten Bereichen kommen Wasservernebler oder klimatisierte Kabinen hinzu, etwa bei Kranführern oder Maschinenbedienern. Selbst die Gestaltung des Umfelds – etwa durch Begrünung oder das Vermeiden zusätzlicher Wärmelasten – kann die Belastung spürbar senken.
Diese Maßnahmen wirken dauerhaft und unabhängig vom Verhalten einzelner Beschäftigter. Sie bilden deshalb die Grundlage eines wirksamen Schutzkonzepts.
Die unterschätzte Stellschraube: Arbeitsorganisation
Ein ebenfalls wirksamer Hebel ist die Organisation. Sie entscheidet darüber, wann und wie lange Beschäftigte Belastungen ausgesetzt sind. Eine typische Maßnahme ist die Verlagerung von Tätigkeiten in die kühleren Tageszeiten. Wer schwere körperliche Arbeit in den frühen Morgen statt in die späte Vormittagszeit legt, entlastet die Arbeiter spürbar.
Hinzu kommen angepasste Arbeitsabläufe: Tätigkeiten können aufgeteilt werden, sodass Beschäftigte zwischen belastenden und weniger belastenden Tätigkeiten wechseln. Pausenzeiten einzuhalten und gegebenenfalls zusätzliche zu schaffen, sorgt für Abhilfe. Auch das Arbeitstempo lässt sich anpassen, ohne dass der Betrieb ins Stocken gerät. Diese Entscheidungen kosten oft wenig, haben aber große Wirkung. Wichtig ist, dass solche Spielräume bewusst eingeplant werden – und nicht erst entstehen, wenn Beschäftigte bereits erschöpft sind.
Wo die Sonne zur Dauerbelastung wird
Besonders sichtbar wird das Thema in Branchen mit viel Außenarbeit. Dachdecker und Straßenbauer arbeiten oft stundenlang ohne natürlichen Schatten. In der Logistik sind Zusteller oder Hafenarbeiter unterwegs, wenn die Sonne am höchsten steht. In der Landwirtschaft fallen Erntezeiten in die Monate mit intensiver UV-Strahlung.
Gerade in solchen Bereichen entscheidet die Kombination aus Planung, Technik und geeigneter Ausstattung über das tatsächliche Risiko.
Persönlicher Schutz: notwendig, aber begrenzt
Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnencreme bleiben wichtig. Moderne Textilien können UV-Strahlung wirksam abschirmen, wenn sie dicht gewebt sind und einen hohen UV-Schutzfaktor aufweisen. Empfohlen wird ein UPF von mindestens 40.
Auch Kopfbedeckungen mit breiter Krempe oder Nackenschutz reduzieren die direkte Strahlenbelastung deutlich.
Doch persönliche Schutzausrüstung (PSA) hat Grenzen. Sie hängen davon ab, ob sie konsequent angewendet werden. Und sie verändern die Arbeitsumgebung nicht. Wer in der prallen Sonne steht, bleibt der UV-Strahlung ausgesetzt – egal, wie gut die Ausrüstung ist.
Klare Schwellen – klare Maßnahmen
Für die Praxis geben klare Schwellenwerte Orientierung. Sie sind eng mit den Vorgaben der neuen ASR A5.1 und den ergänzenden ASTA-Empfehlungen verknüpft.
Bei Hitze ist nicht allein die Lufttemperatur entscheidend, sondern die sogenannte Beurteilungstemperatur, die auch Sonne, körperliche Arbeit, Kleidung und Wind berücksichtigt. Bis 26 Grad Celsius gilt die Gefährdung als gering. Darüber sollen Maßnahmen greifen, ab über 30 Grad müssen sie umgesetzt werden. Wird eine Beurteilungstemperatur von über 35 Grad erreicht, ist der Arbeitsplatz ohne wirksame Schutzmaßnahmen nicht mehr geeignet.
Bei der UV-Strahlung wird der UV-Index als Indikator für Schutzmaßnahmen herangezogen. Kurz gesagt: Je höher der UV-Index, desto mehr Maßnahmen müssen Betriebe ergreifen. Ab einem UV-Index von 3 sind Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip erforderlich, etwa Verschattung oder angepasste Arbeitszeiten. Ab einem UV-Index von 8 sind zusätzlich personenbezogene Maßnahmen wie Schutzkleidung oder Sonnenschutzmittel zwingend.
Diese unterschiedlichen Schwellen zeigen: Schutzmaßnahmen im Freien orientieren sich an klar definierten Kriterien und sind Teil der systematischen Gefährdungsbeurteilung nach ASR A5.1 – nicht eine Frage des individuellen Empfindens.