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Fast jeder dritte Unfall betrifft die Hände
Arbeitsunfallgeschehen 2024

Foto: XM4THX – stock.adobe.com
Die Folgen sind zwar meist nicht so gravierend wie bei anderen Körperteilen. Aber knapp ein Drittel aller Arbeitsverletzungen betreffen die Hand, wie die neue Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen 2024 zeigt.
Text: Redaktion PRÄVENTION AKTUELL
AUF DEN PUNKT:
- Hände sind der am häufigsten von Arbeitsunfällen betroffene Körperteil
- Handwerkzeuge sind besonders gefährlich – insbesondere Messer und Cutter
- Gefährdungsbeurteilung und Unterweisungen schützen die Beschäftigten
Schnittwunden beim Kartonschneiden, Quetschungen durch Abrutschen, schmerzhafte Prellungen beim Hantieren mit Werkzeug: Was nach kleinen Blessuren klingt, gehört in der betrieblichen Realität zu den häufigsten Unfallursachen. Dies zeigt die Statistikbroschüre „Arbeitsunfallgeschehen 2024“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
685.543 Arbeitsunfälle im Betrieb wurden gemeldet, 32,5 Prozent davon betrafen Verletzungen an der Hand. Während Handverletzungen sehr häufig sind, führen sie allerdings vergleichsweise selten zu neuen Unfallrenten (9,6 Prozent). Verletzungen anderer Körperbereiche – etwa Schulter/Oberarm (17,3 Prozent), Fuß/Knöchel (14,5 Prozent) oder Knie/Unterschenkel (13,6 Prozent) – haben diesbezüglich deutlich gravierendere Folgen.
Die meisten tödlichen Arbeitsunfälle sind mit 35,3 Prozent auf Kopfverletzungen zurückzuführen. 77 Beschäftigte kamen dadurch im Jahr 2024 ums Leben. Dahinter folgen Brust- oder Rückenverletzungen mit 11,6 Prozent.
Messer sind das größte Risiko
Zurück zu Handverletzungen und Handwerkzeugen: 61.308 meldepflichtige Arbeitsunfälle ereigneten sich im Jahr 2024 beim Umgang mit sogenannten „nicht kraftbetriebenen Handwerkzeugen“ wie Messern oder Hämmern – das sind rund 9 Prozent aller Arbeitsunfälle im Betrieb. Knapp die Hälfte der Unfälle mit diesen Handwerkzeugen ereignen sich im industriell-gewerblichen Bereich, aber auch in der Dienstleistungsbranche und auf Baustellen sind diese Arbeitsmittel unfallträchtig (jeweils jeder fünfte Unfall).
Mehr als jeder zweite Werkzeugunfall (56 Prozent) wird durch Messer, Cutter und ähnliche Klingenwerkzeuge verursacht. Insgesamt 34.605 Fälle gingen 2024 auf scharfe Schneidwerkzeuge zurück. Andere Klassiker wie Hammer (12 Prozent) oder Schraubenschlüssel (5 Prozent) rangieren mit deutlichem Abstand dahinter.
Ausfallzeit überwiegend länger als eine Woche
Werkzeugunfälle wirken harmlos, können jedoch längere Ausfallzeiten nach sich ziehen. 2024 wurden 109 Personen nach einem Werkzeugunfall erstmals mit einer Unfallrente entschädigt. Ein Rückblick auf die letzten fünf Jahre zeigt:
- 40 Prozent der an der Hand verletzten Beschäftigten waren bis zu einer Woche arbeitsunfähig.
- 48 Prozent mussten ein bis vier Wochen pausieren.
- 8 Prozent fielen länger als vier Wochen aus – teilweise bis zu einem halben Jahr.
Wie Betriebe wirksam vorbeugen können
Um Arbeitsausfälle und gesundheitliche Auswirkungen auf die Mitarbeiter zu vermeiden, sollten Arbeitgeber ein paar Tipps beherzigen. Insgesamt gilt: Sicherheit beginnt weit vor dem eigentlichen Arbeitsvorgang.
- Richtig auswählen: Werkzeuge sollten für ihre Aufgabe geeignet sein und das GS-Zeichen tragen – ein Hinweis auf geprüfte Sicherheit.
- Ergonomie beachten: Werkzeuge müssen gut in der Hand liegen und gut zu greifen sein. Eine sichere, ermüdungsarme Handhabung senkt Unfallrisiken deutlich.
- Ordnung halten: Verdeckte Klingen, sichere Halterungen und gut organisierte Werkzeuglager verhindern Stich- und Schnittverletzungen.
- Pflegen und warten: Stumpfe Klingen, beschädigte Griffe oder lose Köpfe machen Werkzeuge zur Gefahr.
- Beschäftigte unterweisen: Regelmäßige Unterweisungen sind für Mitarbeiter, die mit Handwerkzeugen arbeiten, entscheidend.
Alle Maßnahmen gehören in die Gefährdungsbeurteilung. Ausführliche Hinweise liefert die DGUV Information 209-001 „Mensch am Arbeitsplatz – Arbeiten mit Handwerkzeugen“.
Fazit
Handwerkzeuge sind unverzichtbar – aber sie sind kein Nebenbei-Thema. Prävention beginnt bei der Auswahl, setzt sich über stabile Arbeitsorganisation fort und endet bei regelmäßiger Unterweisung. Wer diese Punkte beherzigt, reduziert nicht nur Verletzungen, sondern schützt die wichtigste Ressource im Betrieb: die Gesundheit der Beschäftigten.
