Räume hörbar machen

Akustikplaner sind bei neuen Büroprojekten wichtige Akteure. Welche Schallschutzmaßnahmen sind nötig, um eine gute Akustik zu erzielen? Wie wirkt sich beispielsweise eine Schallschutzdecke aus? Ein mittler­weile verbreitetes Verfahren ist die Auralisation, ein virtuelle „Hörbarmachung“ der späteren Räume.

Unerwünschte Geräusche sind eine wesentliche Belastung bei der Büroarbeit – sei es durch zu laut sprechende Kollegen, Umweltlärm, gebäudetechnische Einrichtungen oder IT-Geräte. Diese Belastungen können jedoch minimiert werden, wenn Schallschutz und Raumakustik bereits bei der Planung von Büroräumen berücksichtigt werden.

AUCH WENN ES IM BÜRO ZU LEISE IST, LEIDET DIE KONZENTRATION

Zu leise darf es im Übrigen auch nicht sein, denn durch die geringen Hintergrundgeräusche nimmt die Sprachverständlichkeit auch zwischen entfernteren Arbeitsplätzen zu. Die verdeckten Sprachanteile werden dadurch besonders gut wahrgenommen und wirken aus psychoakustischer Sicht besonders störend. Verstehbare Sprachanteile in Störgeräuschen bewirken, dass wir unwillkürlich versuchen, das Gesprochene weiter zu dekodieren. Dadurch wird die Konzentration beeinträchtigt.

Bisher wurden solche akustischen Fragen, beispielsweise „Wie hört sich der Raum an, wenn viele Menschen sprechen?“ oder „Wie klingt der geplante Raum mit unterschiedlichen Schallschutztechniken tatsächlich?“ bestenfalls mittels Rechenmodellen vermittelt oder über das sogenannte Modellmessverfahren. Bei Letzterem wird an einem aus Holz, Gips und Plexiglas gefertigten Modell, meistens im Maßstab 1:20, die akustische Situation des geplanten Raums gemessen. Dieses Verfahren stellt jedoch einen enormen zeitlichen und auch finanziellen Aufwand dar.

Stand der Technik ist heute die Auralisation. Bei diesem Verfahren berechnen Computer nach verschiedenen mathematischen Modellen akustische Vorgänge und Größen. Diese werden als Audiodateien ausgegeben und per Lautsprecher oder Kopfhörer hörbar gemacht. Die Wirkung schalltechnischer Maßnahmen kann damit eindrücklich vermittelt werden. Die Akustikplaner sind so in der Lage, Architekten und Bauherren die akustische Qualität von Räumen oder Bauteilen unmittelbar zu demonstrieren und den Nutzen akustischer Maßnahmen erlebbar zu machen.

Auralisation
Grafik: Liebchen+Liebchen GmbH

Die Wirkung schalltechnischer Maßnahmen kann damit eindrücklich vermittelt werden. Die Akustikplaner sind so in der Lage, Architekten und Bauherren die akustische Qualität von Räumen oder Bauteilen unmittelbar zu demonstrieren und den Nutzen akustischer Maßnahmen erlebbar zu machen.

Die Analyse akustischer Szenarien setzt in der Regel ein dreidimensionales Raum- oder Gebäudemodell voraus, das alle akustisch relevanten Strukturen geometrisch definiert. Meist liegt ein solches Modell im Zusammenhang mit der Gebäudeplanung ohnehin schon vor oder es wird mittels eines 3-D-Programms erstellt.

BEISPIELE FÜR AURALISATIONEN SIND IM INTERNET KOSTENLOS ABRUFBAR

Mittlerweile bieten viele Firmen Software zur Hörbarmachung von virtuellen Räumen an, die jeweiligen Anwendungen sind meist sehr komplex und teuer. Dennoch kann sich jeder einen Eindruck davon machen, wie Auralisation funktioniert. In Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat das damals noch existierende Institut für Rundfunktechnik (IRT) 2018 Auralisationen zur Planung von Büroräumen entwickelt. Sie können von jedem PC 0mit einem aktuellen Internet-Browser wiedergegeben werden: www.baua.de/static/auralisation/index.html

Schallquellen vom Drucker über Telefongespräche bis hin zu Gehgeräuschen wurden für die raumakustischen Simulationen verwendet. Die Hörbeispiele sind unterteilt in die Szenarien „Ein-Personen-Büro“, „Drei-Personen-Büro“ und „Großraumbüro“. Beim Ein-Personen-Büro wird unterschiedlicher Schallschutz zu den angrenzenden Räumen und zur Außenwelt vorgeführt. Der Einfluss der raumakustischen Absorption, der Anordnung der Arbeitsplätze sowie die Wirkung von Schallschutzblenden werden am Beispiel des Drei-Personen-Büros demonstriert. Mithilfe des Szenariums Großraumbüro werden unter anderem der Einfluss der Arbeitsplatzanordnung, die Wirkung von verschiedenen Glas­abtrennungen sowie die Wirkung von schall­absorbierenden Büromöbeln erlebbar gemacht.

Das Modell des IRT und der BAuA ist angesichts der Geschwindigkeit bei der Softwareentwicklung nicht mehr auf dem neuesten Stand, inzwischen sind die Ergebnisse deutlich realitätsnäher. Noch einen großen Schritt weiter in diese Richtung gehen Techniken, die visuelle und akustische Simulation verbinden. Dabei kann man beispielsweise mit einer VR-Brille die zu untersuchenden virtuellen Räume „begehen“ und sich anhören, wie der Raum wo klingt. Unterschiedliche Raumkonzepte und Schallschutzmaßnahmen werden so interaktiv erfahrbar und unmittelbar vergleichbar.

TEXT: Franz Roiderer