Jeder Betrieb, auch wenn er nur einen einzigen Arbeitnehmer beschäftigt, ist verpflichtet, Beiträge an die gesetzliche Unfallversicherung zu leisten. Im Falle gewerblicher Betriebe sind die Berufsgenossenschaften dafür zuständig. Im Jahr 2018 betrug der Beitrag pro Vollzeitbeschäftigtem durchschnittlich 350 Euro. Das sogenannte Umlagesoll, also der gesamte Finanzbedarf der gewerblichen Berufsgenossenschaften, belief sich auf rund 11,5 Milliarden Euro.

DURCH DIE HAFTUNGSABLÖSUNG MÜSSEN ARBEITGEBER KEINE SCHADENSERSATZANSPRÜCHE FÜRCHTEN.

Die Mittel zur Finanzierung der Aufgaben der Unfallversicherungsträger werden allein von den Arbeitgebern aufgebracht; die Arbeitnehmer zahlen keine Beiträge. Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten von Arbeitnehmern die Haftung des Arbeitgebers. Durch diese sogenannte Haftungsablösung müssen Arbeitgeber keine Schadensersatzansprüche fürchten, wenn ihre Beschäftigten einen Arbeits- oder Wegeunfall erleiden oder an einer Berufskrankheit erkranken. Mit ihrer Beitragszahlung geben die Arbeitgeber die Haftung bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten an die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen ab und diese entschädigen den erlittenen Körperschaden.

Zur Abstufung der Beiträge je nach Unfallgefahr werden die „Gefahrklassen“ für die verschiedenen Gewerbezweige festgestellt. Die Gefahrklassen werden aus dem Verhältnis der von der Berufsgenossenschaft gezahlten Leistungen zu den Arbeitsentgelten (die an die Beschäftigten gezahlten Bruttoentgelte) des jeweiligen Gewerbezweiges berechnet. Je unfallträchtiger eine Branche im Vergleich zu einer anderen ist, umso höher der Beitrag. Es gilt aber auch: Wenn die Arbeitsunfälle insgesamt steigen, erhöht auch das die Beiträge. Unternehmen haben es also quasi selbst in der Hand, wie viel sie zahlen. Kümmern sich alle Betriebe um einen guten Arbeitsschutz, wird es für alle günstiger.

Wofür verwendet die gesetzliche Unfallversicherung das Geld? Den größten Brocken machen die Entschädigungsleistungen aus. Sie betrugen 2018 rund 10,15 Milliarden Euro (einschließlich der Ausgaben der Unfallversicherung der öffentlichen Hand). Unter Entschädigungsleistungen versteht die Unfallversicherung „Dienst-, Sach- und Barleistungen an Unfallverletzte, Berufserkrankte und Hinterbliebene“. Ein Beispiel: Während der Rehabilitationsmaßnahmen nach einem Arbeitsunfall erhalten die Versicherten, soweit sie in dieser Zeit kein Gehalt beziehen, Gehaltersatzleistungen in Form von Verletzten- und Übergangsgeld. 2018 gab die Unfallversicherung für diese Leistungen 5,8 Milliarden aus.

Ebenfalls in den 10,7 Milliarden enthalten sind die Ausgaben für Heilbehandlung. Sie betrugen 2018 rund 4,6 Milliarden Euro. Dazu gehören unter anderem stationäre und ambulante Behandlungen sowie medizinische und soziale Rehabilitation.

RUND 5,7 MILLIARDEN EURO ZAHLTE DIE GESETZLICHE UNFALLVERSICHERUNG AN VERSICHERTE UND HINTERBLIEBENE AUS

Der letzte richtig große Posten auf der Ausgabenseite sind die Renten. Rund 5,7 Milliarden Euro zahlte die gesetzliche Unfallversicherung an Versicherte und Hinterbliebene aus, das waren in 2018 rund 775.000 Personen. Renten erhalten Beschäftigte, wenn sie beispielsweise nach einem Arbeitsunfall ganz oder teilweise arbeitsunfähig sind oder wenn eine Berufskrankheit anerkannt wurde. Nebenbei: Der Versicherte erhält dann nicht sowohl von der Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente als auch von der Unfallversicherung eine Rente und erhielte so mehr Rente, als er früher im Beruf verdient hat. Das Sozialgesetzbuch VI regelt in § 93 die Beziehung der beiden Rentenarten.

Ein weiterer Ausgabenblock, der die Milliardengrenze überschreitet, sind die sogenannten Steuerungskosten für Prävention. Was das darunter fällt, zeigt die folgende Tabelle:

Steuerungskosten für Prävention (in 1.000 Euro). Quelle: www.dguv.de > Webcode d1182427. Grafik: LIEBCHEN + LIEBCHEN/Universum Verlag

 

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