Teledermatologie – diese Anwendungen gibt es

Obwohl bereits viel über Digital Health (E-Health) gesprochen wird, kommt die Digitalisierung in der Medizin bis heute nur schleppend in Gang. Zu den bisher etablierten digitalen Behandlungsmethoden zählen telemedizinische Leistungen.

Text: Christian Drerup

Neben der Abschaffung des Fernbehandlungsverbots in 2018 war besonders die Corona-Pandemie ein Katalysator für die Telemedizin. Wie sonst wahrscheinlich nur die Radiologie eignet sich die Dermatologie für die Nutzung telemedizinischer Softwarelösungen. Zu Zeiten von zunehmendem Mangel an Fachärztinnen und Fachärzten, aber auch medizinischen Fachangestellten bietet die Teledermatologie neben Flexibilität auch Effizienzgewinne durch den gezielteren Einsatz der Praxisressourcen und weniger administrativer Aufwände. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) unterstützen schon seit Längerem diese digitalen Potenziale und haben in 2020 die Erstellung einer Leitlinie für die Teledermatologie koordiniert. Entsprechend groß ist das Angebot teledermatologischer Anbieter.

Die meisten Lösungen in der Teledermatologie stützen sich auf das „Store-and-Forward“-Prinzip, das heißt, Befundbilder werden asynchron und zeitversetzt durch Hautärzte begutachtet. Hieraus ergibt sich für die dermatologische Praxis die Chance auf ein hybrides und zeiteffizientes Versorgungsmodell. Gerade zur Behandlung von chronisch Erkrankten oder Patienten, die auf eine Langzeittherapie angewiesen sind wie bei der Nagelmykose, bieten sich hier Chancen.

Zur Veranschaulichung: Eine Systemtherapie wird in der Praxis eingeleitet. Die weitere Therapie erfolgt in Eigenregie im häuslichen Umfeld. Zur Therapie- und Verlaufskontrolle entfallen nun orts- und termin­gebundene Praxisbesuche, da durch die teledermatologische Versorgung repräsentative Befundbilder asynchron ausgewertet werden können.

Die Vorteile für Patienten und Behandler liegen hier auf der Hand: Es entsteht eine flexible, orts- und zeitunabhängige dermatologische Versorgung. So wird die Praxis weniger durch Wiedervorsteller frequentiert und es bleibt mehr Zeit für das Patientengespräch vor Ort. Den Patienten bleiben der Weg und die – für den Praxisbesuch investierte – Zeit erspart. Auch die Praxisadministration wird geschont. Die Abrechnung erfolgt bei den bildbasierten Verfahren allerdings als individuelle Gesundheitsleistung.

Eine synchrone Lösung bietet die Videosprechstunde, in der Hautarzt und Patient direkt miteinander sprechen. Die Videosprechstunde bringt neben dem Arzt-Patienten-Gespräch zwar den Vorteil der Abrechenbarkeit über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM), findet aber insgesamt in der Dermatologie deutlich seltener statt, weil sie mit höherem organisatorischem ­Aufwand (zum Beispiel Terminfindung) verbunden ist und sich die meist schlechtere Bildqualität im bewegten Video einschränkend auf die Diagnostik auswirkt.

In Deutschland werden aktuell hauptsächlich zwei unterschiedliche asynchrone teledermatologische Anwendungsmodelle verfolgt. Die Mehrzahl der Anbieter wie zum Beispiel derma2go, dermanostic oder dermafy sind geschlossene Plattformen und beschäftigen eigene Dermatologen, die Fälle von Patienten beurteilen, die über die Website der jeweiligen Anbieter eingereicht werden. Patienten erhalten hier innerhalb eines bestimmten Zeitraums (24 bis 48 Stunden) eine ärztliche Diagnose und bedarfsweise auch ein Rezept.

Der Anbieter Onlinedoctor betreut keine eigenen Patienten, sondern stellt eine offene Plattform für Hautärzte zur ­Verfügung. Die teilnehmenden Fachärzte können über Onlinedoctor.de oder einen hinterlegten Link auf der eigenen Praxis-Website Patienten betreuen. Die Patienten können also ihre Hautarztpraxis nicht nur vor Ort, sondern auch „digital“ besuchen. Es ist das größte offene Plattformmodell für teilnehmende Hautärzte und kooperiert mit großen Krankenkassen in Deutschland.

Der Anbieter doctorderma vereint beide Ansätze. Er betreut zum einen Patienten durch angestellte Dermatologen, ­bietet aber seine Softwarelösung auch allen niedergelassenen ­Dermatologen in Deutschland zur eigenen Nutzung an. So können Hautarztpraxen ihren Patienten diese Dienstleistung ähnlich wie bei Onlinedoctor über die eigene Praxis-Website über einen Link zur Verfügung stellen.

Im Gegensatz zu Onlinedoctor ermöglicht die Software­lösung ein hohes Maß an Individualisierbarkeit. Der digitale Anamnesebogen und Rechnungen können angepasst, ­Privatrezepte ausgestellt sowie E-Mail- und Rechnungsvorlagen nach Vorgaben der Corporate Identity (Logo, Schriftzug) der jeweiligen Praxis angelegt werden. Die digitale Dermatologie in Form der Teledermatologie hat das Stadium der „Akzeptanz“ überschritten und ist mittlerweile ein festes Element in der Versorgung dermatologischer Patienten, da sie einen barrierefreien Zugang zu einer effizienten und zeitnahen Diagnose von Hauterkrankungen trotz zunehmenden Fachkräftemangels ermöglichen.

Die vorhandenen Lösungen eröffnen allen dermatologischen Kollegen einen direkten und niederschwelligen Zugang zu digitalen Behandlungsmöglichkeiten, um diese als hybrides Versorgungsmodell in den Praxisalltag zu integrieren und so Fortschritte in der Digitalisierung der Dermatologie aktiv mitgestalten zu können.

DER AUTOR:
Dr. Christian Drerup ist ­niedergelassener Dermatologe und seit 2022 Geschäftsführer von doctorderma, dem Anbieter einer der erwähnten teledermatologischen Softwarelösungen. (Erstveröffentlichung in „Der niedergelassene Arzt“)