Innovation nervt! Oder?

Innovationen verändern, wie wir arbeiten, und sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens. Organisationen müssen daher Routinen für systematisches Innovieren entwickeln. Dafür braucht es eine Unternehmenskultur, die offen für Neues ist. Und das nicht nur einmal im Jahr, sondern laufend.

Text: Doris Könighofer

Innovationsfähigkeit bedeutet auch, Neues von außen zu übernehmen. Welche Rolle würden manche Unternehmen heute am Markt spielen, wenn sie sich den ersten Wellen der Digitalisierung und Automatisierung verschlossen hätten? Die Schreibmaschine sieht man sich doch lieber im Museum an und arbeitet stattdessen am Computer.

Doch in jeder Organisation kennt man diese Kräfte, die versuchen, den Status quo zu bewahren. Denn Innovation gehört nicht zum Tagesgeschäft und soll trotzdem Teil der täglichen Arbeit sein – deshalb können Neuerungen als störend oder nervend empfunden werden.

Zugegeben: Es gibt Bereiche, in denen es gut ist, wenn man Neuem etwas verhaltener gegenübersteht. Gerade bei ­Industrieunternehmen baut der Unternehmenserfolg meist auf einer Tradition sehr hoher Qualitätsansprüche auf. Bei Neuentwicklungen gilt es, die Risiken so gering wie ­möglich zu halten. Das hat Auswirkungen auf die Innovationskultur.

AUF DEN PUNKT

  • Unternehmen müssen Spagat zwischen Effizienz und Innovationsfähigkeit meistern
  • Innovative Führungskraft schafft Raum für Experimente und Weiterentwicklung
  • Misserfolge als Chance begreifen – auch das gehört zu einer guten Innovationskultur

So beispielsweise auch bei dem Sensortechnikhersteller Balluff. Roland Schaefer, Vice President Innovation Management von Balluff, hat unlängst bei einer Podiumsdiskussion erläutert, warum er vor diesem Hintergrund Ambidextrie für wichtig hält. Dahinter steckt die Fähigkeit von Unternehmen, gleichermaßen effizient wie innovativ zu sein. Prozesse und Effizienz sind im Tagesgeschäft unverzichtbar und die Basis für den Erfolg der Produkte. Doch ebenso wichtig ist die Innovationsfähigkeit für Balluff, sie sichert die Zukunft. Die Organisation muss daher beiden Spielarten den nötigen Raum geben.

Der Weg dorthin führt über die Innovationskultur. Erst eine innovationsfreundliche und offene Unternehmenskultur schafft das Fundament, damit Innovation in Fluss kommt.

Hemmnisse identifizieren

Dabei muss man von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich vorgehen, denn Ursachen und Symptome variieren: Manche Unternehmen tappen ­beispielsweise laufend in die Eitelkeitsfalle: Verblendet von den eigenen Kernkompetenzen übersehen sie Potenziale und Chancen. Egal wodurch die Innovationskraft gehemmt wird, letztendlich lässt es sich immer auf die Innovationskultur zurückführen. Sie beeinflusst nämlich die Beziehungen und das Verhalten der Angestellten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisation. Und damit ist sie die Grundvoraussetzung dafür, dass Mitarbeiter neugierig darauf sind, wie sie ihren Arbeitsplatz durch Neues verbessern können. Ein fiktives Beispiel:

Ein Unternehmen startet ein Pilotprojekt zu kollaborierenden Robotern, um deren Einsatz in einem bestimmten Anwendungsfeld zu evaluieren. Doch das Projekt läuft nicht richtig an, die Belegschaft wirkt misstrauisch. Eine Person scheint das Team aufzuwiegeln. Für das Projektteam ist schnell klar, es kann nur einen Grund geben: Die Engstirnigkeit dieser renitenten ­Person verhindert Neues! Auf den ersten Blick sieht es so aus. Doch sieht man genauer hin, erkennt man womöglich, dass es an der Innovationskultur liegt. In diesem Unternehmen herrscht eine starke Selbermachen-Kultur – also lieber eine vorhandene Maschine selbst modifizieren, Sensoren anbringen oder ein zusätzliches Förderband installieren, als einen Roboter anzuschaffen. Die Reaktion spiegelt bloß das unausgesprochene Credo wider. Weder Fortschritt noch Tradition entstehen über Nacht. Die Innovationskultur, ob förderlich oder hemmend, entwickelt sich über Jahre. Die festgelegten und unausgesprochenen Werte, Normen und Einstellungen beeinflussen, wie die Beschäftigten über Veränderung und Neues denken und letztendlich handeln.

Können, Wollen, Dürfen

Der Wille allein macht aus einer Idee noch keine Innovation. Neben der Bereitschaft braucht es die Fähigkeiten und Möglichkeiten. Eine innovative Führungskraft versteht es, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und zu fördern. Sie gibt Raum für Experimente und Weiterentwicklung. Sie fördert die Zusammenarbeit und motiviert. Es geht darum, dass die Mitarbeiter können, wollen und dürfen.

Führungsverantwortung übernehmen

Aus Managementsicht gilt es, sowohl Wissen zu generieren als auch zu integrieren, damit Innovation im Arbeitsalltag Einzug hält. Dazu braucht es offene und geschlossene Handlungsstrategien. Wie auch das Tagesgeschäft erfordert Innovationsfähigkeit bindende Regeln und klare Prozesse, damit Neues entstehen oder übernommen werden kann. Solche Strukturen fördern die Wissensintegration. Zugleich müssen Freiraum und Autonomie für die Wissensgenerierung gegeben werden. Es klingt nach zwei sich widersprechenden Strategien, doch sie lassen sich verbinden.

Beim Lagersystemhersteller Kardex Remstar wurde mit dem „Innovation Award“ vor einigen Jahren der erste interne Ideenwettbewerb initiiert. Weltweit konnten Mitarbeiter teilnehmen und wurden professionell in der Ideenausarbeitung begleitet. Damit entstanden aus Ideen Erfolg versprechende Innovationskonzepte, die dann vom Führungsteam bewertet und zur Umsetzung freigegeben wurden. Mit der Initiative wurden Freiräume und Strukturen geschaffen. So konnte das Unternehmen die eigene Innovationskraft steigern. Doch hätte die Kultur des Unternehmens nicht mit der Strategie übereingestimmt, wären alle Bemühungen in diese Richtung zum Scheitern verurteilt gewesen.

Misserfolge als Chance für Lernen und Entwicklung

Damit Innovation zur Routine wird, muss die oberste Führungsebene einen Rahmen vorgeben. Das Management muss bereit sein, ­Risiken einzugehen und Misserfolge als Chance für Lernen und Entwicklung zu verstehen. Dadurch ergibt sich der Handlungsspielraum für Führungskräfte im mittleren Management, um ein sicheres und respektvolles Klima für Innovation zu schaffen – dann nervt Innovation auch nicht mehr.

Eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur ist kein Luxus, sondern ein Muss in einer Welt gekennzeichnet von Flüchtigkeit und raschen Veränderungen. Wer nicht handelt, riskiert die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens.

Wie viel der Hopper kosten wird, steht noch nicht fest. Dagegen hat Müller-Hansen schon genauere Vorstellungen über die Konkurrenz: Der Hopper, der anmutet wie ein futuristisches Golfcart, soll den Zweitwagen ersetzen. Als Urlaubsfahrzeug oder für den Transport von Möbeln ist das Gefährt nicht geeignet. „Es gibt Situationen, wo das Auto seine Stärken hat“, räumt der Firmengründer ein. „Im Durchschnitt fahren Menschen aber nur Strecken von 30 bis 40 Kilometern mit dem Auto, im städtischen Umfeld sogar deutlich weniger. In Städten ist auch die Durchschnittsgeschwindigkeit relativ niedrig, Staus und Parkplatzsuche machen das Auto unattraktiv – da setzen wir an.“ Bei kurzen Strecken also: die Kinder in die Kita oder in die Schule bringen, die Fahrt zum Einkaufen, vielleicht auch die Fahrt zur Arbeit, solange die Strecke nicht zu lang ist.

DIE AUTORIN:

Doris Könighofer verbindet ihr Wissen zu Innovationsmanagement mit journalistischer Erfahrung im Technikbereich (speziell zu Produktionsthemen und Maschinenbau). Heute arbeitet sie als Content-Managerin bei Lead Innovation, einem der etablierten Innovationspartner großer Industrieunternehmen. www.lead-innovation.com


Quellen:
– Hauschildt/Salomo/Schultz/Kock (2016): Innovationsmanagement. Tidd/Bessant (2013): Managing Innovation – Integrating Techno-logical, Market and Organizational Change.
– Was ist Innovation? www.lead-innovation.com/insights/blog/was-ist-innovationskultur