Schreibkräfte

Zum Diktat, bitte!

Fast 100 Jahre lang steht die Schreibmaschine für die Arbeit von Frauen im Büro. Sie kann Anerkennung und Verdienstmöglichkeiten mit sich bringen, begrenzt aber gleichzeitig die Chancen zur Entfaltung und für den Aufstieg. Und auch physisch war die Büroarbeit eine echte Last.

Text: Bernd Holtwick  Foto: bpk/Fotoagentur Voller Ernst

Um das Jahr 1900 erreicht die Suche nach Möglichkeiten zur Rationalisierung die Büros. Die Arbeit dort wird systematisch analysiert und in einzelne Schritte aufgeteilt. Für viele davon braucht man keine umfassende Ausbildung, sondern kann rasch angelernt werden. Das Symbol dafür ist die Schreibmaschine. Während bis dahin vor allem Männer die Büroarbeit erledigen, werden Frauen nun in großer Zahl als Schreibkräfte angestellt – leicht austauschbar und für einen geringen Lohn. Zudem bleiben sie auf eine untergeordnete Position und die Zuarbeit für fast immer männliche Vorgesetzte festgelegt.

Das Schreiben auf einer mechanischen Maschine belastet den Rücken und die Arme, zwingt zu einer starren Sitzhaltung und verursacht Lärm. Weil es noch lange Zeit keine Korrekturfunktion gibt, bleibt jeder Tippfehler sichtbar.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) entdecken Literatur und bildende Kunst die weiblichen Büroangestellten und zeigen sie widersprüchlich – einerseits Sinnbild von Moderne und weiblichem Selbstbewusstsein, andererseits fremdbestimmt und ausgebeutet. Die Realität ist vielschichtig und nicht so plakativ. Das Spektrum reicht von reiner Schreibtätigkeit über die abwechslungsreicheren Aufgaben im Sekretariat bis hin zur besser bezahlten, aber schwer zu erreichenden Sachbearbeitung.

Computer lösen die Schreibmaschine ab

Aus der Sicht des Arbeitsschutzes geht es in erster Linie um die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, um Arme und Rücken zu entlasten. Oft schwingt aber der Gedanke mit, die Frauen zu „erziehen“, wenn etwa das „krumme Sitzen“ angeprangert wird.

So wie die Schreibmaschine für die Veränderung der Büroarbeit steht, gilt das seit den 1970er-Jahren für den Computer. In den 1980er-Jahren ist die elektronische Datenverarbeitung fast an der Hälfte der Arbeitsleistungen beteiligt. Schon elektrische Schreibmaschinen waren eine Erleichterung, die Computer-Tastaturen erfordern noch weniger Muskelkraft und die Lärmbelastung beim „Tippen“ geht zurück. Dafür muss sorgfältiger auf den Bildschirm geachtet werden, um ein kontrastreiches Bild zu bekommen und Blendung und Spiegelungen zu vermeiden. Außerdem entscheidet die Software nun wesentlich darüber, wie sehr die Arbeit am Computer anstrengt. Seit 1996 regelt eine Verordnung die Rechte und Pflichten bei der Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze.

Reine Schreibkräfte gibt es heutzutage immer weniger. Durch den Fokus auf die Ergonomie haben sich die körperlichen Belastungen verringert. Die psychischen Belastungen hingegen nehmen durch Zeitdruck und höhere Anforderungen zu.

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DER AUTOR:

Unser Autor Bernd Holtwick ist stellvertretender Leiter der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund. Dort erstrecken sich auf einer Größe von fast zwei Fußballfeldern spannende Erlebniswelten zum Entdecken und Mitmachen. Hier macht Arbeit sogar Spaß! www.dasa-dortmund.de